Breuer kehrt zurück: ex-olympiateamler soll maroden eisschnelllauf-verband retten
Die Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) schickt sich an, ihre eigenen Trümmer wegzuräumen. Nach Monaten voller Vorwürfe, gezitterter Prämien und einem Imageschaden, der bis in die ARD-Berichterstattung von Milano-Cortina reichte, greift der Verband zur Notbremse: Christian Breuer, zweimal Olympia-Teilnehmer und früherer Aktivensprecher, soll als „Sonderbeauftragter des Präsidiums“ eine Strukturkommission leiten, die den Laden neu erfindet.
Der mann, der einst die athleten vertrat, soll jetzt die funktionäre zügeln
Breuer kennt beide Seiten. Zwischen 2004 und 2011 saß er als Sprachrohr der Rennfahrer im DESG-Vorstand, schaffte den Spagat zwischen Eislauf-Hoffnungen und Verbandsskepsis. Nun kehrt der 44-Jährige zurück – nicht als Athlet, sondern als Sanierer. „Der Verband steht vor wichtigen strukturellen und organisatorischen Herausforderungen, die nur gemeinsam mit den Mitgliedern, Athletinnen und Athleten sowie externen Expertinnen und Experten nachhaltig gelöst werden können“, sagt er. Das klingt nach Dienst nach Vorschrift, ist aber ein Euphemismus für: Wir müssen umschwenken, bevor kein Schlittschuh mehr bei uns trägt.
Die Kommission ist keine spontane Gefälligkeit. Bereits im August 2025 hat eine außerordentliche Mitgliederversammlung ihre Einsetzung beschlossen – damals noch in der Vorstellung, man könne mit ein paar neuen Regeln die Wogen glätten. Doch seit den Olympischen Spielen wissen wir: Die Wogen sind Tsunamis. ARD-Recherchen ließen Athleten zu Wort kommen, die von ausbleibenden Prämien, ignorierten Verletzungsfällen und einer Kultur des Wegschauens berichteten. DESG-Präsident Matthias Große konterte „in harscher Form“, wie es hieß – und verlor dabei mehr Glaubwürdigkeit als er verteidigte.

Jetzt zählt nur noch die faktenlage
Breuers Kommission muss bis spätestens Frühjahr 2027 ein Gutachten vorlegen, das die Satzung, die Förderstruktur und die Prämiensysteme neu justiert. Externe Gutachter sollen einfließen, interne Machtbarrieren sollen fallen. Die Athleten haben ein Vetorecht für jeden Vorschlag, der ihre Tagesabläufe tangiert – ein Novum im deutschen Verbandssport. Wer sich der Kommission verweigert, riskiert Sanktionen bis hin zum Leistungsausschluss. Die DESG will keine halben Sachen mehr.
Ob das reicht? Der deutsche Eisschnelllauf hat seit 2018 keine olympische Medaille mehr geholt, die Nachwuchskulisse schrumpft, Sponsoren springen ab. Die einzige Konstante war in den letzten Jahren der Frust. Breuer weiß das. Er wird seine Tage damit verbringen, Excel-Tabellen zu studieren, Zoom-Calls mit Regionaltrainern zu führen und juristische Gutachten zu Satzungsänderungen zu lesen. Keine Glamour-Rolle, aber eine letzte Chance.
Die Athleten haben bereits signalisiert, dass sie mitmischen wollen. Die Frage ist nur: Wie viel Vertrauen haben sie noch? Wenn Breuer scheitert, droht der nächste Exodus. Dann wird der einstige Rennfahrer nicht als Retter in die Geschichtsbücher eingehen, sondern als Mann, der die Scherben zusammenfegte, während der Verband schon zum nächsten Sturz ansetzte. Die Uhr tickt. Die Eisdecke ist dünn.