Brasil: auf dem weg zur paralympischen weltspitze!

Rio de Janeiro – Brasil hat sich in den letzten Jahren zu einer ernstzunehmenden Nation im paralympischen Sport entwickelt. Von bescheidenen Anfängen in Heidelberg 1972 bis hin zu einer beeindruckenden Bilanz von 462 Medaillen (darunter 134 Goldmedaillen) bei den Sommer-Paralympics und einer historischen Silbermedaille im Skilanglauf bei den Winterspielen in Mailand-Cortina 2026, hat das Land einen bemerkenswerten Aufstieg erlebt. Doch die Verantwortlichen ruhen sich nicht auf ihren Lorbeeren aus – das Ziel ist klar: der zweite Platz im Medaillenspiegel.

Ein champion, der hindernisse überwindet

Mizael Conrado, aktueller Generalsekretär des brasilianischen Paralympischen Komitees (CPB) und zweifacher Paralympics-Sieger sowie Weltmeister im Fußball-5 für Blinde, verkörpert diesen unbändigen Willen. Seine eigene Geschichte ist ein Beweis für die Widerstandsfähigkeit des menschlichen Geistes. Conrado, der aufgrund angeborener Katarakte blind zur Welt kam und später durch eine Netzhautablösung fast vollständig sein Augenlicht verlor, erinnert sich noch lebhaft an den Moment, als er als Kind seinen letzten Blick auf ein Tor von Careca beim Sao Paulo FC erhaschte – ein Moment, der seine Träume vom Fußballspielen für immer verändern sollte. Stattdessen wurde er zu einem der besten blinden Fußballspieler der Welt.

„Die Strukturen im brasilianischen Sport waren früher sehr fragil“, erklärt Conrado. „Heute verfügen wir über ein Budget von 90 Millionen Real, das aus der staatlichen Lotterie stammt. Ein enormer Unterschied zu früher, als man für Paralympics-Erfolge kaum eine Anerkennung erhielt – geschweige denn finanzielle Belohnungen.“ Die Zahl der Mitarbeiter des CPB ist von 60 im Jahr 2017 auf beeindruckende 1.052 im Jahr 2025 gestiegen, ein deutlicher Indikator für die Professionalisierung des brasilianischen Paralympismus.

Von rio 2016 zum strategischen plan

Von rio 2016 zum strategischen plan

Der Wendepunkt kam mit den Paralympics in Rio 2016, wo Brasilien das ambitionierte Ziel, den fünften Platz zu erreichen, knapp verpasste und den achten Platz belegte. „Wir erkannten, dass wir etwas anders machen mussten, um weiter voranzukommen“, so Conrado. Daraufhin wurde der „Festival Paralímpico“ ins Leben gerufen, eine Initiative, die Kindern mit Behinderungen die Möglichkeit gibt, erste sportliche Erfahrungen zu sammeln. Was 2018 mit 7.226 Teilnehmern in 48 Städten begann, entwickelte sich 2025 zu einem landesweiten Ereignis mit 58.874 Teilnehmern in 123 Städten.

Ein weiteres Schlüsselelement ist das strategische Zentrum in Sao Paulo, das zu den fünf größten Trainingszentren der Welt zählt und 20 Sportarten, Unterkünfte für 300 Athleten und eine hochmoderne Sportwissenschaftsabteilung umfasst. Alessandra Oliveira, eine junge Schwimmerin, die ihre Karriere im Festival Paralímpico begann, ist ein leuchtendes Beispiel für den Erfolg dieses Ansatzes. Sie gewann bei der Weltmeisterschaft in Singapur im vergangenen Jahr 10 Goldmedaillen und 6 Silbermedaillen und stellte dabei zwei Weltrekorde auf.

Künstliche intelligenz für die zukunft

Künstliche intelligenz für die zukunft

„Alessandra ist ein Beweis dafür, dass unser Projekt Brasil an einen noch bedeutenderen Platz im Medaillenspiegel bringen wird“, betont Conrado. „Unsere Erwartung ist, im Jahr 2040 die zweite Position zu erreichen.“ Um dieses Ziel zu erreichen, setzt das CPB verstärkt auf Innovation und den Einsatz künstlicher Intelligenz, beispielsweise zur Analyse des Genoms, um das Muskelprofil von Athleten schon in jungen Jahren zu bestimmen und sie optimal auf ihre Sportart vorzubereiten. Die brasilianische Paralympics-Bewegung hat sich transformiert – und die Welt wird Zeuge.