Br volleys raus: lüneburg rettet deutsche europacup-hoffnung
Das Aus ist besiegelt. Die BR Volleys verlieren auch im Rückspiel in Piacenza mit 0:3 und scheiden im Viertelfinale des CEV Cups aus. Der deutsche Serienmeister scheitert damit zum zweiten Mal in dieser Saison vor einem Endspiel – nach dem Pokal-Debakel folgt die nächste Blamage.
Was niemand laut sagen wollte, wurde nach 73 Minuten in der norditalienischen Halle zur Gewissheit: Berlin fehlt aktual die Durchschlagskraft, um international mitzuspielen. Die 21:25, 27:29, 18:25 lügen nicht. Piacenza spielte auch im zweiten Duell einen Gang höher, agierte klinischer, blockte aggressiver, servierte gefährlicher. Die BR Volleys wirkten wie in Zeitlupe.
Verletzungspech und mangelnde tiefe
Trainer Alexandre Leal musste erneut auf einige Stammkräfte verzichten. Die Rotation wurde zur Notlösung, doch wer aufläuft, mahlte ein Scout aus der Bundesliga, der die Partie live verfolgte, der muss auch liefern. Die Bank war zu kurz, die Nerven zu blank. Besonders der dritte Satz entlarvte die Verfassung: 18:25 – das ist keine Niederlage mehr, das ist eine Kapitulation.
Die Statistik nagelt die Hauptstädter ans Kreuz: nur 35 % Annahmequote, zwei Blockpunkte, kein einziger Ass. Bei Piacenza dagegen explodierte der Block (8 Punkte), Aufschlagsspezialist Ricardo Lucarelli servierte Berlin in die Knie. Die BR Volleys trafen in 69 Angriffsversuchen nur 39 Mal – eine Trefferquote, die in der italienischen Serie A zur Tabellenmitte reichen würde, im Europacup aber zur Rückfahrkarte.

Lüneburg ist jetzt deutschland letztes team
Die SVG Lüneburg profitiert indirekt vom Berliner Debakel. Die Niedersachsen schafften am Dienstag gegen Poitiers den Halbfinaleinzug und sind nun der letzte deutsche Vertreter im zweithöchsten europäischen Wettbewerb. Für die Liga heißt das: Der internationale Druck wandert von der Hauptstadt an die Ilmenau – und damit zu einem Klub, der mit einem Zehntel des Berliner Budgets arbeitet.
Die Konsequenzen für die BR Volleys sind hart. Die sportliche Führung muss die Saisonanalyse verschieben, weil sie erst einmal die Scherben zusammenkehren muss. Sponsoren fragen sich, ob das teuerste Ensemble Deutschlands auch die erhoffte Show liefert. Und die Fans? Die führten auf Twitter ein Gedankenexperiment durch: Hätte man das Ausgabenkonto besser in Nachwuchs- und Fitnesscoaches investiert statt in kurzfristige Starimporte?
Am Samstag kommt Königs Wusterhausen in die Max-Schmeling-Halle. Ein Gegner, der eigentlich zum Warmspielen reicht. Doch nach zwei K.o.-Punches in Serie ist kein Selbstvertrauen mehr übrig. Die Meisterschaft bleibt das letzte Ziel, doch die Konkurrenz schielt bereits. Lüneburg hat den Schwung, Herrsching die junge Wildheit, und Friedrichshafen wartet im Playoff-Halbfinal auf Revanche. Berlin steht auf Platz eins, aber der Thron wackelt.
Die Zahlen sind gnadenlos: Seit 15 Jahren kein internationaler Titel, seit zehn Jahren kein CEV-Cup-Sieg, seit fünf Jahren kein Einzug ins Finale eines europäischen Wettbewerbs. Die BR Volleys müssen neu rechnen. Der Europacup ist vorbei, die Saison nicht. Aber der Zeitplan wird enger, und die Geduld der Entscheider auch.
