Bono und sein neuer schützling: wie antonelli von schumacher & hamilton lernt

Peter Bonnington, 46, stand am Samstagabah auf dem Podium von Schanghai – diesmal nicht neben Lewis Hamilton, sondern neben Andrea Kimi Antonelli. Der Brite, der seit 20 Jahren in der Königsklasse arbeitet, hat gerade seine größte Herausforderung an Land gezogen: einen 19-jährigen Italiener zum Weltmeister zu formen. Und er macht es Schritt für Schritt, so wie einst mit Hamilton.

„Sì, Kimi! Andiamo, figlio mio“, schrie er durch das Teamradio, als der Rookie in China seine erste GP-Siege einfuhr. Antonelli antwortete mit einem Lächeln: „Ce l’abbiamo fatta.“ Ein Moment, der an Hamiltons Debüt 2013 erinnert – nur dass damals Bonnington schon der erfahrene Lotse war.

Von schumacher bis antonelli: die karriereleiter eines pioniers

Von schumacher bis antonelli: die karriereleiter eines pioniers

2004 begann Bono als Datenjongleur bei Jordan, 2006 wechselte er zu Honda, 2009 wurde er Teil der Brawn-GP-Märchengeschichte. Als Mercedes 2010 die Truppe übernahm, rückte er zu Michael Schumachers Seite. Drei Jahre später übernahm er Hamilton – und gemeinsam holten sie 6 Fahrer- und 7 Konstrukteurstitel. Nun, da Hamilton nach Maranello zieht, bleibt Bonnington in Brackley – mit mehr Verantwortung und einem neuen Talent.

Die Chemie stimmt. Antonelli sprüht vor Energie, ließ sich mit einer Wasserpistole auf Bonnington ein, der daraufhin Tabasco in dessen Trinkflasche schüttete. „Kimi verbindet das Team, aber er weiß, wann er auf ‚Record‘ drücken muss“, sagt der Ingenieur. „Ich zeige ihm, wie man Champion wird – Schritt für Schritt.“

Dabei greift er auf eine Lektion zurück, die er von Schumacher und Hamilton lernte: Die 10.000-Stunden-Regel sei Makulatur, sagt er. „Talent findet den Zehntel, den kein Training ersetzt.“ Und das hat Antonelli. In China lag er in Q3 eine Sekunde vor den Konkurrenten – mit einem Auto, das eigentlich nur Top-5-Tempo hatte.

Die Fotografie vom Podium ist schon jetzt ein Klassiker:Links der siebenfache Weltmeister, rechts sein potentieller Erbe, in der Mitte der Mann, der beide formte. Bonnington will nicht sentimental wirken, aber er gibt zu: „Diese Aufnahme wird irgendwann in meinem Büro hängen – neben den Bildern mit Michael und Lewis.“

Die Saison ist noch jung, doch die Weichen sind gestellt. Mercedes hat den jüngsten Sieger seit Hamiltons Debüt, Italien den ersten GP-Sieger seit 2013 – und Bonnington einen neuen Schützling, den er zum Thron führen will. Die nächste Stufe: Imola. Dort wo Schumacher 1994 erstmals jubelte, will Antonelli beweisen, dass China kein Zufall war. Bonnington wird wieder am Funkgerät sitzen – und wieder wird er sagen: „Andiamo, figlio mio.“