Bonner drama: 0,7 sekunden retten nichts – ludwigsburg dreht last-second-krimi
Der Telekom Dome explodiert fast, dann verstummt er urplötzlich. 0,7 Sekunden vor dem Ende halten die Baskets zwei Freiwürfe, einen Punkt fehlt. Alijah Comithier tritt an, verwandelt den ersten nicht, muss den zweiten absichtlich verkanteln – und trifft nur den Ring. 79:81, Ludwigsburg jubelt, Bonn sammelt gebrochene Herzen ein.
Rebound-battle und ein verlorener dreher
Die Partie war ein Box-to-Box-Fight auf Augenhöhe. Bonn dominierte das Tempo, Jalen Finch glänzte mit 16 Punkten, doch die MHP Riesen antworteten jedes Mal mit Wucht. Lenny Anigbata nagelte neun Punkte und acht rebounds an die Platte, Stefan Smith zeigte sich mit ebenfalls 16 Zählern brandgefährlich. Bonn führte 67:62, doch Ludwigsburg schaltete in den Turbo, eroberte harte boards und verwandelte zweite Chancen in Gold.
Die letzte Minute wurde zur Achterbahn. Ludwigsburg ging 81:79 in Führung, Bonn versuchte den Dreier – Fehlanlage. Der Ball sprang zurück, Bonn behielt die Nerven, doch der Videobeweis zeigte: Foul an Comithier, zwei Freiwürfe, 0,7 Sekunden. Die Arena hielt den Atem an. Der 22-Jährige hatte zuvor nur eins von drei Versuchen getroffen, die Statistik sprach gegen ihn. Er traf den ersten nicht, musste den zweiten absichtlich streichen. Klappern, nichts mehr – Zeit abgelaufen.

Salto-versprechen und playoff-fieber
Comithier versteckt das Gesicht im Trikot, wird von Teamkollegen gestreichelt. „Wir haben alles reingeworfen, physisch wie mental“, sagt Anigbata, noch sichtlich mitgenommen. „Die rebounds haben den Unterschied gemacht, vor allem in den entscheidenden Phasen.“ Ludwigsburg rächt die 85:86-Hinspielniederlage aus dem Januar und springt vorübergehend auf Play-in-Rang acht. Dort wollen sie nicht lange verweilen. „Nicht Play-ins, Play-offs!“, brüllt Anigbata. Sollte der Sprung gelingen, hat er ein Versprechen gegenüber dem Physio zu erfüllen: einen Rückwärtssalto in der Kabine. „Kann ich wirklich, und das werde ich halten.“
Bonn verpasst den Sprung auf Rang drei, bleibt mit 28 Punkten auf Platz fünf haften. Trainer Tuomas Iisalo schüttelt nur kurz den Kopf: „Wir haben die richtigen Würfe bekommen, den Ball nicht reingemacht.“ Die Saison ist lang, doch dieses Drama nagt. Die Playoff-Tür ist weiter offen, aber die nächsten Gegner verschärfen sich. Ludwigsburg dagegen atmet auf, der Trend zeigt nach oben. Und Anigbata? Der trainiert wohl schon mal den Salto – für den Tag, an dem die Riesen wirklich in die K.o.-Phase einziehen.
