Bologna verliert skorupski: kreuzbandriss wirbelt kader um
Lukasz Skorupski wird dem Bologna FC mindestens sechs Wochen fehlen. Eine hochgradige Sehnenverletzung im linken Oberschenkel zwingt den polnischen Stammtorhüter auf die Tribüne – und wirft die Rossoblu kurz vor der heißen Saisonphase aus der Bahn.
Diagnose: sechs bis acht wochen pause
Die Nachricht traf Trainer Vincenzo Italiano am Montagabend wie ein Schlag. Die MRT-Untersuchung zeigte ein klares Bild: die Sehne des M. biceps femoris ist massiv angerissen, ein Einsatz vor Mitte Mai ausgeschlossen. „Wir gehen von sechs, eher acht Wochen Reha aus“, sagte Medizinchef Lucio Rossi knapp. Skorupski selbst reiste sofort nach Warschau, um mit Nationalmannschaftsphysiotherapeut Marek Chrobak ein intensives Reha-Programm zu starten.
Für den 34-Jährigen kommt der Zwischenfall äußerst ungünstig. Mit neun Clean Sheets führt er die Serie A-Statistik an, seine Fußabwehr war ein zentraler Grund für die Champions-League-Träume der Emilianer. Nun muss Federico Ravaglia zwischen die Pfosten, ein Keeper, der zuletzt 2022 in der Serie B regelmäßig spielte und seitdem nur 45 Pflichtspiel-Minuten auf dem Feld stand.

Ravaglia bekommt den stempel „matchwinner“ aufgedrückt
Die Fans reagierten im Netz mit gemischten Gefühlen. „Wir haben mit Motta gelernt, dass ein System stärker ist als ein Name“, schrieb ein User auf Twitter – und spielte damit auf die erfolgreiche Saison 2022/23 an, als der damalige Coach trotz personeller Engpässe den Europacup-Podest knapp verpasste. Italiano muss nun beweisen, dass sein Zyklus ebenso robust ist.
Die Zahlen sprechen allerdings eine deutliche Sprache: Ohne Skorupski kassierte Bologna in den vergangenen drei Saisons 1,8 Tore pro Spiel – mit ihm nur 0,9. Zudem sinkt die Passgenauigkeit der Abwehr um 7 %, wenn der Pole nicht hinter der Kette steht. Ravaglia wird also mehr verlangt sein als nur Paraden; er muss die gesamte Spielanlage stabilisieren.
Der Verein prüft laut Gazzetta dello Sport kurzfristig einen Leihwechsel, doch die Transferliste ist dünn. Einzig Elia Caprile aus Cagliari wäre verfügbar, doch dessen Stammplatzgarantie fordert eine Optionsklausel in Höhe von vier Millionen Euro – ein Betrag, den Bologna im Winter nicht freigibt. Also bleibt Ravaglia, der Sohn eines ehemaligen Käsefabrikanten aus Modena, plötzlich im Zentrum der Aufmerksamkeit.
Die nächsten Gegner: Atalanta (Auswärts), Milan (Heim) und Lazio (Auswärts). Drei Partien, die über Europa entscheiden. „Wir werden mit Offensivdruck kompensieren“, sagt Italiano und meint damit das hohe Pressing, das seine Mannschaft in die Spitzengruppe katapultiert hat. Ob das reicht, wenn der letzte Mann kaum Bundesliga-Luft geschnuppert hat?
Skorupski selbst bleibt kämpferisch. Auf Instagram postete er ein Bild aus dem Leistungszentrum, dazu das Motto: „Zurück stärker.“ Die Realität aber lautet: Er wird die Saison vermutlich nur von der Couch aus erleben. Bologna muss nun beweisen, dass der Europacup-Traum nicht an einem einzelnen Sehnenfaser hängt.
