Bodø/glimt krönt europajahr mit historischem pokalsieg nach 33 jahren durststrecke
Bodø/Glimt hat die norwegische Fußball-Welt auf den Kopf gestellt. Die Wikinger aus dem hohen Norden holten sich beim 4:2 im Elfmeterschießen gegen SK Brann den ersten Pokalsieg seit 1993 – und vollendeten damit ein Jahrhundertjahr, das mit Siegen über Manchester City, Atlético Madrid und Inter begann.
Drei tore, drei namen, ein autogegentreffer – und dann kam der showdown vom punkt
Ola Brynhildsen traf zum 1:1, Andreas Helmersen schraubte den Ball zum 2:2 ans Netz, ehe ein Eigentor der Bergenser die Glimt-Arena erbeben ließ. Die reguläre Spielzeit endete 3:3, doch im Neun-Meter-Wettbewerb blieben die Köpfe klar: Brann vergab zweimal, Bodø verwandelte vier Mal. Die Trophäe rückte nach 33 Jahren wieder in den Fjord – die dritte überhaupt für den Klub nach 1975 und 1993.
Die Zahl, die alle Reden überflüssig macht: seit 2021 stand Glimt dreimal im Pokalfinale, zweimal in der Meisterschafts-Entscheidung. Nur der Kelch fehlte. Gestern Nacht wurde er endlich gefüllt.

Von der champions-league-sensation zum nationalen könig
Der Klub, der im Winter noch Atlético in der Metropolitano blamierte und Manchester City vor heimischem Publikum in die Knie zwang, bewies erneut, dass seine Europareise kein Strohfeuer war. Als erstes norwegisches Team seit Rosenborg 1999/2000 schaffte Glimt die Champions-League-Achtelfinals – und nutzte die Erfahrung, um in der Liga mitzureden und im Pokal zu dominieren.
Trainer Kjetil Knutsen verweigert sich jedem Glamour. „Wir sind keine Wundertüte“, sagte er nach dem Schlusspfiff, „wir sind ein Prozess.“ Dieser Prozess hat jetzt einen Namen: Dauerbrand.
Die Konsequenz ist brutale Effizienz. In 42 Pflichtspielen 2026 kassierte Glimt nur vier Niederlagen, erzielte 96 Tore und baute die eigene Arena zweimal aus. Die Kapazität von 8.500 Plätzen reicht nicht mehr; der Verein plant eine weitere Erweiterung auf 11.000 – finanziert durch Europapremien und jetzt auch durch Pokalprämien.
SK Brann muss indes mit leeren Händen nach Hause fahren. Die Westküsten-Traditionsmannschaft verpasste den ersten Titel seit 2007 und sieht die eigene Jugendarbeit vom Nordlicht überstrahlt. „Wir haben alles reingeworfen, aber Glimt war cleverer in den entscheidenden Sekunden“, gab Brann-Coach Eirik Horneland zu.

Die machtverschiebung im norden ist vollzogen
Mit dem Pokal im Gepäck reist Bodø/Glimt nun in die europäische Sommervorbereitung. Die Qualifikation für die Champions League ist gesichert, das Budget wächst, die Talentschmiede läuft auf Hochtouren. Und die Konkurrenz? Sie schaut auf einen Klub, der vor zehn Jahren noch in der dritten Liga spielte.
Die Trophäe steht bereits im Vereinsmuseum – direkt neben dem Trikot von Ole Gunnar Solskjær, das ihm Glimt 1996 schenkte, als er nach Manchester wechselte. Gestern Nacht fügte das Museum ein neues Trikot hinzu: das von Kapitän Ulrik Saltnes, verschwitzt, mit Pokal-Confetti im Kragen. Die Botschaft ist klar: Der Norden hat neue Herren – und sie kommen, um zu bleiben.
