Bob-olympia 1956: als fliegerhelden zu gold fuhren – eine einzigartige geschichte
Bob-olympia 1956: als fliegerhelden zu gold fuhren – eine einzigartige geschichte
Die Bob-Wettbewerbe bei den Olympischen Winterspielen 1956 in Cortina d'Ampezzo waren ein besonderes Kapitel. Im Mittelpunkt stand ein ungewöhnliches Duo, das die Hoffnungen Italiens trug: Giacomo Conti und Lamberto Dalla Costa, zwei Mitglieder der Aeronautica Militare, der italienischen Luftwaffe. Ihre Erscheinung – in typischen Fliegerjacken und mit schmalen Bärten – zog die Blicke auf sich, sowohl auf als auch abseits der Bobbahn.
Die auswahl der flieger
Giacomo Conti und Lamberto Dalla Costa wurden bereits 1951 als Teil einer Bob-Mannschaft ausgewählt, die das neue Nachkriegsitalien repräsentieren sollte. Dalla Costa, ein erfahrener Pilot aus dem Zweiten Weltkrieg, schloss 1953 die Bob-Ausbildung als bester Pilot ab. Er übernahm die Führung am Bob, während Conti, ursprünglich Leichtathlet, als Anschieber fungierte. Ihr Training konzentrierte sich ausschließlich auf die Bahn in Cortina und den Zweierbob.

Der weg zum olympiastart
1955 gelang es dem Duo erstmals, bei den italienischen Meisterschaften das Podium zu erreichen – als Dritter. Trotzdem erhielten sie einen der beiden Startplätze für die Olympischen Spiele, zusammen mit den Titelträgern Eugenio Monti und Renzo Alvera. Monti und Alvera fuhren im Training einen neuen Bahnrekord und galten als Favoriten, wurden aber als “Italia II” ausgelost. Beide Teams nutzten das gleiche Bobmodell von Podar: ein Rohrgestell mit roter Haube und ohne Seitenverkleidung.

Spannende wettkämpfe und unerwartete wendungen
Im ersten Lauf fuhren Conti und Dalla Costa die Bestzeit, 0,7 Sekunden schneller als Monti. Der deutsche Titelverteidiger Anderl Ostler, mit seinem neuen Anschieber Hans Hohenester, hatte bereits über zwei Sekunden Rückstand. Ostler musste aufgrund einer Regeländerung sein schweres Team gegen eine leichtere Besatzung austauschen und konnte in Cortina nicht mehr an die Spitze heranrücken. Er wurde im Zweierbob Achter und verzichtete im Viererbob auf den Start.

Ein portugiesischer überraschungsgast
Deutlich vor Ostler und knapp hinter den Medaillenrängen landete der portugiesische Marquis Alfonso de Portago, ein vielseitiger Sportler, der zuvor erfolgreich im Autorennsport, Hindernislauf und Polo war. Er erwarb in einem Intensivkurs die Bobfahrer-Lizenz und startete mit Vicente Sartorius. Der vierte Platz der beiden Cousins war eine Sensation, nur 14 Hundertstel fehlten zu Bronze. Allerdings hatten sie rund sieben Sekunden Rückstand auf die führenden Italiener.

Der triumph von conti und dalla costa
Lamberto Dalla Costa (35) und Giacomo Conti (37) fuhren ein perfektes Rennen, erzielten in allen vier Läufen die Bestzeit und sicherten sich überraschend den Olympiasieg mit über einer Sekunde Vorsprung auf ihre Landsleute Monti und Alvera. Es war die einzige Goldmedaille für Italien bei diesen Spielen und der einzige internationale Erfolg für das Duo.

Nach der olympiamedaille
Nach dem vierten Platz bei der Weltmeisterschaft 1957 beendeten Dalla Costa und Conti ihre Bob-Karriere. Dalla Costa blieb bei der Luftwaffe und wechselte wieder zum Pilotensitz, wo er mit dem Hubschrauber drei Arbeiter von einer überschwemmten Insel rettete. Eugenio Monti setzte seine Bob-Karriere fort und träumte von Gold. 1960 gab es keine olympischen Rennen, aber 1964 half er den Briten Nash und Dixon mit seiner technischen Expertise zum Olympiasieg. 1968 holte er dann selbst Gold, sowohl im Zweier- als auch im Viererbob.
Ein tragisches schicksal
Alfonso Marques Portago nahm einen spektakulären, aber tragischen Weg. Er erhielt 1956 einen Vertrag bei Enzo Ferrari und belegte im WM-Lauf von Silverstone den zweiten Platz. 1957 fuhr er den portugiesischen Zweierbob bei der WM auf den dritten Platz. Doch im Mai 1957 verunglückte er tödlich bei der Mille Miglia, nachdem ein Reifen platzte. Der Unfall forderte neun Todesopfer und führte zur Einstellung des Rennens.
| Disziplin | Gold | Silber | Bronze |
|---|---|---|---|
| Zweierbob | Italien (Conti/Dalla Costa) | Italien (Monti/Alvera) | Schweiz (Ammann/Partl) |
