Bisseck wirft nagelsmann seine 1,96 m und sieben tore vor: jetzt droht der wm-coup

Yann Bisseck hat keine Zeit für Subjunktive. „Ich arbeite jeden Tag dafür, der beste Fußballer zu werden, der ich sein kann“, sagt er, und das klingt nicht nach PR-Phrasen, sondern nach einem Kerl, der um 6.00 Uhr morgens das Gym von Inter Mailand betritt, weil er weiß: In drei Wochen liest Nagelsmann die Liste. Wer dabei steht, fliegt nach den USA. Wer nicht, fliegt in den Urlaub.

Die flexibilität ist kein marketing-modewort, sondern seine versicherung

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1,96 m, 96 Einsätze, sieben Treffer – das ist die Bilanz des 25-jährigen Kölners bei den Nerazzurri. Keine Weltklasse-Quote, aber eine, die sich Nagelsmann auf die Stirn schreibt, wenn er an Standards denkt. Bisseck kann Dreierkette, Viererkette, rechts wie links. „Eine gewisse Variabilität schadet nicht“, sagt er und lacht kurz auf, als hätte er das erste Mal überhaupt ein Doppelpass-Spiel gesehen und sofort verstanden, warum Löw einst Jogi und nicht Josef hieß.

Das letzte Mal trug er das DFB-Trikot im Nations-League-Viertelfinale gegen Italien. Seitdem: Funkstille, verursacht durch eine Knieprellung, die ihn monatelauerte. Der Kontakt zu Nagelsmann blieb trotzdem warm. „Nicht abgebrochen“, sagt Bisseck und reduziert das auf das Wesentliche: SMS, Telefonat, Zoom. Keine Zauberei, keine Berater-Masche. Einfach Fußball reden.

Am Donnerstag fällt die Entscheidung: Schweiz, Ghana. Beide Spiele dienen als Generalprobe für den WM-Kader. Bisseck weiß, dass Antonio Rüdiger und Jonathan Tah die Sicherheitsschuhe sind. Aber hinter ihnen wird ein drittes Paar gesucht, das nicht nur blockt, sondern auch trifft. Genau da setzt der Inter-Mann an. „Mein Hauptjob ist, keine Tore zuzulassen“, sagt er, „aber gelegentlich vorne einen zu machen, schadet ja nicht.“

Die Konkurrenz schläft nicht. Nico Schlotterbeck liefert in Dortmund, Waldemar Anton feiert in Stuttgart. Doch keiner von ihnen hat sieben Treffer in der Serie A auf dem Konto. Und keiner kennt Simone Inzaghis Drill, der Innenverteidiger zu Außenverteidigern macht und umgekehrt. Bisseck nennt das „taktisches Fitnesstraining“. Nagelsmann nennt es „Mehrzweckwaffe“.

Der gebürtige Kölner fühlt sich nicht als Bittsteller. Er sieht sich als Investor, der seine eigene Aktie hochtreibt. „Privileg“ ist das Wort, das er verwendet, wenn er vom DFB-Trikot spricht. Aber der Ton ist klar: Ein Privileg muss man sich erarbeiten, nicht erbetteln. Wer bei Inter Mailand in der Kabine neben Lautaro Martínez sitzt, fürchtet sich nicht vor dem Druck eines WM-Turniers.

Die Zahlen sprechen für ihn: 1,96 m, 3,8 Kopfballduelle gewonnen pro 90 Minuten, 83 % Passquote. Die Sprache auch: ruhig, konkret, ohne Pathos. Wenn Nagelsmann heute Abend die Liste freigibt, wird ein Name fehlen oder eben nicht. Bisseck wird nicht vor dem Fernseher hocken. Er wird laufen. 30 Sekunden Sprint, 30 Sekunden Pause. Dann wieder. Weil er weiß: Die WM ist kein Geschenk. Sie ist ein Selektionsprozess, den man sich erarbeitet – Meter für Meter, Kopfball für Kopfball.