Berrettini blitzt in miami: sinner im schatten, jetzt jagt er den traum
Matteo Berrettini schlägt in Miami Alexander Bublik 6:4, 6:4 – und schon wieder redet ganz Italien nur von ihm, nicht von Jannik Sinner. Das klingt wie ein Witz, ist aber die Wahrheit. Denn der 28-Jährige, längst Außenseiter, liefert die erste Sensation des Turniers.

Der weg ist frei – und plötzlich ist alles drin
Im Viertel, das eigentlich Lorenzo Musetti gehörte, ist jetzt Berrettini König. Kein Top-20 mehr im Weg, dafür Valentin Vacherot, Monegasse mit Kanonenservice, aber Weltranglisten-179. Ein Draw, wie er besser nicht sein könnte für einen Mann, der seit Monaten gegen seine eigere Hautkämpft. Die Statistik ist gnadenlos: 2024 verpasste er Roland Garros und Wimbledon, holte danach in Gstaad und Kitzbühel Titel, verabschiedete sich in Australien 2026 erneut früh. Ein Kreislauf aus Hoffnung und Rückschlag – doch Miami könnte die Trendwende markieren.
Der Sieg gegen Bublik war kein glücklicher Zufall. Berrettini servierte 13 Asse, verwandelte zwei von drei Breakbällen und spielte mit einer Entschlossenheit, die selbst Sinner so nicht zeigte. „Wenn ich so spüre, wie heute, bin ich wieder der Alte“, sagte er nach dem Match, das Mikrofon noch in der Hand, das Shirt schon durchgeschwitzt. Die Arena applaudierte, doch die echten Fans wissen: Das war erst der Einstand.
Hinter den Kulissen arbeitet sein Team mit Sportwissenschaftlern aus Monte Carlo an einer neuen Belastungssteuerung. Das Ziel: keine neuen Risse im Adduktorensehnen-Korsett. Die Vorgabe lautet maximal drei Turniere am Stück, dann Erholungsphase. Miami ist Teil dieser Strategie – und gleichzeitt die erste Prüfung auf Hartplatz seit 13 Monaten.
Die mögliche Viertelfinal-Gegenschaft gegen Carlos Alcaraz? Noch ein Luftschloss. Aber der Druck kommt jetzt von woanders: Berrettini mert 180 Punkte, wenn er die Runde der letzten Acht erreicht, und würde damit wieder in die Top 50 rutschen. Das klingt nach Lapalie, wäre aber das Ticket für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Die Qualifikation startet im Mai, und Italiens Kapitän Filippo Volandri schaut genau hin.
Am Donnerstag gegen Vacherot wird die Sonne über Key Biscayne stehen – und mit ihr die Frage, ob Berrettinis Körper die zweite Woche durchhält. Die Antwort gibt der Scoreboard, nicht das MRT. Aber eins ist klar: Träumen darf er wieder. Und das tut er laut.
