Becker zerreißt zverevs schutzwand: „du musst deine seele zeigen, sonst frisst dich die stille“
Mit dem Coupe des Mousquetaires noch feucht in der Hand, bekommt Alexander Zverev bereits die nächste Aufgabe serviert – und kommt kaum noch an die Grundlinie. Boris Becker, der das Finale in Paris live für Eurosport kommentierte, stellt im Podcast „Becker Petkovic“ klar: Der frischgebackene Grand-Slam-Champion hat keine Wahl mehr, sein Leben öffentlich zu rekonstruieren. „Du kannst als Superstar nicht so tun, als gäbe es dein Privatleben nicht“, donnert der sechsmalige Major-Gewinner. Und das ist kein Ratschlag, sondern eine Kampfansage.
Die maske beginnt zu brennen
Zverev hat sich in den vergangenenJahren akribisch darum bemüht, alles abseits des Platzes unter Verschluss zu halten. Seine fünfjährige Tochter kennt die Öffentlichkeit nur aus Gerüchten, politische Statements bleiben tabu, Hobbys sucht man auf Wikipedia vergebens. Für Becker ist das nicht mehr tragbar. „Wir kennen den Tennisspieler, aber den Menschen Sascha nicht“, sagt er. „Das reicht nicht mehr – er wird jetzt durchleuchtet, ob er will oder nicht.“
Andrea Petkovic bestätigt das Bild: „Er war zu 100 Prozent Tennisspieler, weil er das so wollte.“ Doch die Schutzwand wird bröckeln. Nach dem Triumph in Paris wartet eine Begeisterungswelle, die selbst Boris Becker in den 80ern nicht erlebt hat. „Das kann dich tragen oder zermalmen“, warnt er.

Beckers ultimativ: deutsch muss sitzen
Die Ironie: Auf Englisch brilliert Zverev in Interviews – charmant, locker, selbstironisch. Auf Deutsch verbarrikadiert er sich hinter kurzen Sätzen. Becker: „Da ist immer eine Bremse drin. Das muss weg, sonst wird die Heimatliebe zur Heimkehr ohne Publikum.“
Als konkrete Hausaufgabe formuliert er: „Er muss über seine Vergangenheit anders sprechen, sonst bleibt die Marke Zverev brüchig.“ Dabei nennt Becker keine Namen, doch der Verweis auf den vergangenen Jahrzehnte-Bogen aus Skandalen, Gerichtsverfahren und Schweigen liegt auf der Hand.
Die Uhr tickt. Schon in Halle, wo die Rasensaison am Montag beginnt, erwartet Zverev eine Begrüßungstorte und einen Empfang, den er emotional nicht im Vorstandszimmer verstecken kann. Becker sieht eine einmalige Chance: „Er steht auf dem Mount Everest. Dieses Foto macht man nur einmal. Wenn er jetzt nicht seine Seele zeigt, wird ihn die Stille auffressen.“
Die Botschaft ist klar: Der erste Grand-Slam-Titel war der Startschuss, nicht das Ziel. Jetzt entscheidet sich, ob Zverev in Deutschland nur respektiert oder tatsächlich geliebt wird. Becker hat das Skript geschrieben – jetzt muss der neue Champion selbst spielen.
