Bayern-torwartchaos: 16-jähriger könnte champions-league-kracher bewachen
Vincent Kompany lachte nicht, als er es sagte. Aber die Lage ist skurril: Der FC Bayern könnte morgen gegen Atalanta mit einem 16-jährigen Stützpunktspieler in den Champions-League-Knockout-Phasen stehen. Leonard Prescott, bis vor Kurzem noch in der U17, wäre plötzlich Keeper Nr. 1.
Neuer fehlt, urbig ist ein fragezeichen, ulreich ausgefallen
Manuel Neuer trainiert wieder, ja. Aber nur ein bisschen. Ein leichter Muskelfaserriss lahmt den Kapitän, er wird erst nach der Länderspielpause zur Verfügung stehen. Jonas Urbig? Kopf hin, Kopf her – eine leichte Gehirnerschütterung ist wie ein Seil um den Hals eines Torhüters. Man kann sie nicht einfach abschütteln. Sven Ulreich, die vermeintliche Konstante, zerriss sich beim 1:1 in Leverkusen das Muskelbündel. Drei Wochen Pause. Minimum.
Kompany beschrieb die Situation mit dem Ton eines Mannes, der gerade erfahren hat, dass sein Haus abbrannt. „Wenn Jonas morgen keine Symptome zeigt, steht er zwischen den Pfosten.“ Das klingt nach Routine. Ist es aber nicht. Denn hinter Urbig klafft eine Lücke, die ein Teenager füllen soll.

Prescott: schulbus statt teambus
Leonard Prescott. 1,94 Meter, 82 Kilo, noch Schüler. Am Samstag saß er auf der Bank in Leverkusen, heute steht er vor der möglichen Premiere im Europapokal. Kompany: „Er bekommt volle Rückendeckung. Aber wir reden hier von einem Jungen, der vor zwei Jahren noch mit dem Schulbus fuhr.“ Die Ironie? Bayern hat Milliarden auf dem Konto, aber gerade dann, wenn das Spiel keine Bedeutung mehr hat – das 6:1 aus dem Hinspiel wirkt wie ein Freifahrtschein –, wird die Personalnot sichtbar.
Die medizinische Abteilung arbeitet mit Computern, MRT-Geräten, Sensoren. Trotzdem entscheidet am Ende ein 19-jähriger Physiotherapeut, ob Urbigs Kopf die Druckwelle eines Schusses verkraftet. Kompany betonte, dass man bei Kopfverletzungen „niemals ein Risiko“ eingeht. Das klingt vernünftig. Es ist auch der einzige Luxus, der Bayern noch bleibt: die Macht, einen Jugendlichen zu schützen, statt ihn zu opfern.
Die Wahrheit: Wenn Urbig morgen pfeift, ist Prescott die Sicherheitsleine. Und wenn nicht? Dann steht ein Kind im Kasten eines Klubs, der für Exzellenz steht. Die Champions-League hat schon viele Geschichten geschrieben. Diese wäre die verrückteste seit München 1999, als ein Steward namens Lothar Matthäus den Pokal in den Himmel hob.
