Bayern zurück in wiesbaden: pokal-krimi bekommt sommer-remake
Wiesbaden darf wieder träumen. Am 25. Juli rollt der Ball im Brita-Arena – und wer steht auf dem Platz? Der FC Bayern. Derselbe Klub, der vor elf Monaten mit zitternden Knien die Rückfahrt nach München antreten musste. Damals kratzten die Hausherren an der Sensation, jetzt winkt die Revanche. Geburtstag hin oder her, der SV Wehen will diesmal den Knoten durchschlagen.

Harry kane wird die adresse noch kennen
Der Engländer verlor seine Strafstoß-Serie an diesem warmen Augustabend. 31 verwandelt, dann plötzlich: Keeper Robin Himmelman hält. Ein Detail, das in Wiesbaden noch immer für glänzende Augen sorgt. „Wir haben gezeigt, dass Bayern nicht unbesiegbar ist“, sagt ein Vereinsangestellter aus dem Vorstandsetage, der lieber anonym bleibt. Die Statistik? 24 Schüsse, 57 Prozent Ballbesitz – und trotzdem stand das Team von Müller, Musiala & Co. kurz vor dem K.o.
Die Choreografie des Sommerspiels ist längst gezeichnet. 15.30 Uhr, Sonntag, leerer Magen, volle Kurve. Für Tobias Keller, Geschäftsführer des SVWW, ist das Duell „ein Geschenk an den Verein und die Region“. Die Logik dahinter: Wer im Pokal schon Herzblut zeigt, darf sich auf die große Bühne zurückwünschen. Die Niederlage 2:3 schmeckt trotzdem noch bitter. „Wir hatten die Großchance auf 3:3 in der 88. Minute“, erinnert sich Stöver und schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch. „Diesmal reicht uns kein moralischer Sieg.“
Doch bevor die Bayern-Fans ihre Rot-Weißen Fähnchen schwenken, steht erstmal Liga-Alltag an. Sechs Punkte Rückstand auf Platz drei, sechs Spiele noch. Die Rechnung: 18 mögliche Zähler, 18 kleine Finals. „Wir brauchen einen Lauf, kein Wunder“, sagt Uwe Stöver. Die Mannschaft trainierte gestern länger als geplant. Grund: Standardsituationen, genau jene, die damals Kane & Sané fast den Schweiß auf die Stirn trieben.
Die Brita-Arena fasst 12.500 Menschen, am 25. Juli werden es 12.500 glauben, dass Fußball-Geschichte sich wiederholt. Die Tickets sind noch nicht offiziell im freien Verkauf, dennoch flattern schon Wartelisten durch die WhatsApp-Gruppen. „Wir wollen lauter sein als in der Allianz Arena“, postete ein Fan unter einem Video des Pokalspiels. 1,2 Millionen Klicks in vier Tagen. Die Metropolregion spürt das Prickeln.
Bayern bestätigte den Termin knapp, ohne große Show. Für die Münchner ist es Testspiel Nummer zwei der Vorbereitung, für Wiesbaden der Höhepunkt des Jubiläumsjahres. 100 Jahre SV Wehen, 100 Jahre Underdog-Romantik. Die Stadt schmückt sich mit Trikots an den Laternen, der Verein schaltet keine Großplakate – zu sehr fürchtet man den Vorwurf der Selbstinszenierung. Stattdessen: ein offenes Training am 24. Juli, damit die Kids die Idole in die Autogrammkarten starren können.
Wenn Schiri Felix Brych am 25. Juli pünktlich anpfiffen wird, geht es nicht nur um Prestige. Es geht darum, ob eine dritte Liga Mannschaft den Weltmeister von 2014 erneut ins Straucheln bringen kann. Die Blicke werden wieder auf Harry Kane ruhen. Drei Tage später fliegt Bayern nach Asien, doch bis dahin gilt: „Erstmal Wiesbaden“, wie es in der Kabine heißt. Und sollte das Remake tatsächlich in einen Sieg münden, will Stöver eine Flasche vom 1990er Riesling aus dem Keller holen. „Dann ist der Jahrgang perfekt“, sagt er und lacht. Die Uhr tickt. 180 Minuten Torspiel sind noch zu absolvieren – danach entscheidet sich, ob das Déjà-vu ein Traum bleibt oder endlich Realität wird.
