Bayern rotiert, paris wartet: kompany muss köpfe leeren
Vincent Kompanysteht Samstagmittag im Mixed-Zone-Gang der Allianz Arena und wird von einer einzigen Frage verfolgt: Wie kriegt er vier Tage nach dem 4:5-Fußballkrimi gegen Paris seine Spieler dazu, gegen Heidenheim nicht wie auf Autopilot laufen zu lassen? Die Antwort liefert der Belgier gleich mit. „Wenn einer eine Karte kauft, will er sehen, dass wir für drei Punkte brennen – nicht für 70 Prozent.“
Personelle luft nach oben
Die Personalie, die diese Woche alle Überschriften beherrschte, Alphonso Davies, scheint vom Tisch. Nachdem der Kanadier in Paris zur Pause runter musste, absolvierte er am Freitag das volle Programm. „Alle Tests negativ“, bestätigt Kompany, „er ist verfügbar.“ Ein Satz, der die Wogen glättet – und gleichzeitig die nächste Option freischaltet.
Denn die Rotationsmaschine läuft. Tom Bischof, 19 Jahre, längst kein Geheimtipp mehr, steht nach seinem Wadenfaserriss wieder bereit. „Er hat diese Woche ohne Reiz reagiert, also wird er nominiert“, sagt Kompany knapp. Für den Deutsch-Kanadier wäre es der erste Bundesligakader seit Mitte März. Die Symbolik dahinter: Die Bayern vertrauen wieder auf ihre eigene Jugend, wenn die Belastungsspirale dreht.

Lenny karl und das unbekannte
Spannender bleibt der Fall Lennart Karl. Der 18-jährige Mittelfeldriese fehlte in Paris, nachdem er sich im Training einen leisen Faserriss zugezogen hatte. Kompany umschifft klare Prognosen, nimmt aber den Spieler in die Pflicht: „Er muss selbst spüren, ob der Körper bereit ist. Bei der ersten Verletzung wehrt sich das Gehirn noch, wir dürfen nicht über den Durst schlucken.“ Die medizinische Abteilung rechnet mit einem Kaderplatz am Dienstag – sofern Karl am Sonntag ohne Schmerzen sprintet.
Die Zahlen sprechen für den Trainer: Seit 2018 verlor Bayern kein einziges Heimspiel gegen einen Aufsteiger, doch genau diese Statistik kennt Kompany zur Genüge. „Wenn wir 80 Prozent bringen, reicht das nicht mal gegen Heidenheim“, warnt er. Die Franken haben auswärts die drittmeisten Punkte der Rückrunde geholt, ihre Flügelläufe Beste und Beck laufen sich in diese Woche formbedingt warm.

Psg-geist in den köpfen
Der Belgische Coaching-Stab hat deshalb ein Mikro-Periodisierung angelegt: Samstag Hochgeschwindigkeit, Sonntag Regeneration mit Video-PSG-Post-Mortem, Montag Tactical-Speed, Dienstag Reise. Kompany: „Die Jungs sollen spüren, dass Paris Teil des Plans ist – aber nur, wenn wir vorher drei Punkte sichern.“
Die Botschaft ist klar: Kein Schongang, keine Testspiel-Atmosphäre. Schon gegen Heidenheim will der Coach die Formation erkennen lassen, die am Dienstag beginnen könnte. Joshua Kimmich wird rechts hinten bleiben, Konrad Laimer neben Pavlovic die Balance halten. Vorne droht Serge Gnabry statt Kingsley Coman die Startelf, weil letzterer noch Rückstand aus dem Fitness-Camp hat.
Am Ende bleibt ein Fakt, der die Münchener Fans beruhigt: In den 25 Pflichtspielen mit Kompany gab es erst eine Niederlage, wenn mehr als drei Stammspieler fehlten. Gegen Heidenheim fehlt aktuell keiner – und mit Bischof sowie möglicherweise Karl kommen sogar zwei hungrige Talente dazu. Die Meisterschaft bleibt ein Nebenkriegsschauplatz, klar. Aber wer Samstag nicht 90 Minuten lang Gas gibt, riskiert seinen Platz im Flugzeug nach Paris. Kompany: „Wir haben 25 Spieler, die alle glauben, startberechtigt zu sein. Meine Aufgabe ist es, sie eines Besseren zu belehren – oder zu bestätigen.“
