Bayern jagt rekord: 101 tore in reichweite – doch in leverkusen droht der haken
Leverkusen – Samstag, 15.30 Uhr, BayArena. Was wie ein Normalspiel klingt, ist die nächste Stufe auf Bayerns Mission „Unsterblichkeit“. 92 Treffer nach 25 Spielen – so brutal effizient war noch keine Mannschaft in dieser Liga. Der alte Rekord von 101 Toren aus der Saison 1971/72? Längst keine Marmorstatue mehr, sondern ein Ziel, das man vor sich herspielt. Und genau hier, zwischen dem Druck der Werkself und den Ausfällen im Münchner Kader, könnte die Jagd ins Stolpern geraten.
Leverkusen braucht die punkte mehr als das prestige
Platz sechs, drei Zähler hinter der Champions-League-Ränge – für Bayer 04 ist dieses Spiel kein Schaulaufen, sondern Notwehr. Die letzten drei Duelle gegen den FCB verloren, davor sechs Spiele ungeschlagen: die Kurve zeigt steil nach unten. Robert Andrich redet sich nach dem 1:1 gegen Arsenal in Selbstbewusstsein: „Wir freuen uns auf Bayern.“ Doch hinter der Fassade steigt die Zitterkurve. Ein weiterer Heimflopp würde die Europa-League-Luke erst recht zum Guckloch machen.
Dabei wäre der Gegner eigentlich verwundbar. Alphonso Davies, Jamal Musiala, Jonas Urbig – allesamt außer Gefecht. Die Linksverteidigung neu zu zimmern, mitten im Rhythmus der englischen Wochen, ist keine Nebensache. Doch Vincent Kompany lacht darüber, dass seine Mannschaft trotzdem 21 Auswärtspartien in Folge nicht verlor (16 Siege, 5 Remis). Nur zweimal in der Vereinsgeschichte lief das länger – und genau diese Statistik ist das nächste Stück Fleisch, das in den Fleischwolf der Geschichte geworfen wird.

Die offensive frisst rekorde, die defensive verliert leute
20 Mal in dieser Saison mindestens drei Tore – diese Zahl ist keine Fußnote, sie ist ein Offensgebet. Gegen Gladbach wurde es wieder ein 4:1, das 20. Mal mit drei-plus-Treffern. Die Gegner schauen nicht mehr nur zu, sie schauen sich um, ob noch jemand hinten mitspielt. Denn genau dort klafft nun ein Loch. Davies’ Ersatz muss Konrad Laimer womöglich außen biegen, was die Mittelfeldachse verrutscht lässt. Eine Kleinigkeit? Vielleicht. Aber Xabi Alonso hat Videoschnitte zur Genüge, um diese Lücke zu kaschieren und Florian Wirtz dort einzusetzen, wo es am meisten brennt.
Sky und WOW schalten schon um 14 Uhr durch, DAZN wirft parallel die Konferenz an. Wer kein Abo hat, muss auf den Liveticker vertrauen – oder auf die Fans draußen, die in diesen Minuten schon wissen, dass sie Teil von etwas Größerem werden könnten. Denn wenn Bayern auch in Leverkusen trifft, rückt der Rekord in Reichweite, und die Saison verwandelt sich in eine einzige Torjäger-Show. Verliert Bayer, rutscht es weiter Richtung Mittelmaß. Verliert Bayern, platzt die Seifenblase der Perfektion – und die Liga bekommt endlich wieder ein Herzklopfen.
Die Zahlen sind klar: 101 Tore sind drin, 21 Auswärtsspiele ohne Niederlage auch. Aber Zahlen kennen keine Kniekehlen, keine Oberschenkelzerrungen, keine Novemberregen-Spiele in Sinsheim. Am Samstag zählt nur, wer die Nerven länger zusammenkneift. Und wenn die BayArena pfeift, wenn der Zwischenstand 1:1 steht und die Uhr auf 85 steht, dann wird sich zeigen, ob die Rekordjagd ein Mythos bleibt – oder endgültig Geschichte schreibt.
