Bauer geht, wolfsburg stürzt: hsv versenkt den vfl in der relegations-hölle
Daniel Bauer hat den letzten Auftritt. Die 1:2-Heimpleite gegen den HSV katapultiert den VfL Wolfsburg auf direktem Weg in die 2. Bundesliga – und den Trainer ins Aus. Nach Abpfiff stand der 49-Jährige wie angewurzelt am Spielfeldrand, während die Hamburger vor 15.000 mitgereisten Anhängern ihren Aufstiegs-Tanz aufführten. Die Fans forderten lauthals seinen Kopf, die Bosse liefern ihn nun.
Elfmeternacht im volkswagenpark: vuskovic trifft doppelt, bauer trifft nichts mehr
Die Partie war keine 60 Sekunden alt, da pfiff Schiri Dingert bereits den ersten Strafstoß. Christian Eriksen verwandelte sicher – 1:0, Wolfsburg in Front, die Kurve tobte. Doch die Führung täuschte. Luka Vuskovic, 19 Jahre alt, kassierte zweimal einen Foulelfmeter und verwandelte beide. Erst glich er per Plattenbande aus, dann ließ er Casteels in der 58. Minute keine Chance. Ein Teenager schoss einen Traditionsklub in die Bundesliga und einen anderen raus. Die Ironie: Vuskovic stand wegen einer Leisten-OP erst am Freitag wieder auf dem Platz.
Bauer wechselte, schrie, reklamierte – nichts half. Seine Mannschaft spielte wie gelähmt, die Mittelfeldreihe verlor 55 Prozent aller Zweikämpfe. Die Statistik, die alles sagt: Kein einziger Torschuss nach der Pause. „Wir haben den Druck nicht weggesteckt“, stammelte Kapitän Arnold in die Sky-Mikrofon-Kamera, während hinter ihm bereits „Bauer raus!“-Chöre anschwollen.
Christiansens veto war nur eine verschleppung – der klassenverfall besiegelt das ende
Schon nach dem 0:3 in Stuttgart lag die Entlassungsurkunde auf dem Schreibt von Sportdirektor Peter Christiansen. Der Boss zögerte, wollte den Kopf nicht erneut rollen lassen – und verlängerte das Elend um zwei Wochen. Nun ist der Befreiungsschlag unausweichlich. Bauer wird am Montagabend freigestellt, Co-Trainer Niko Kovac übernimmt interimsmäßig. Die Trennung kostet rund 3,5 Millionen Euro Abfindung, dazu kommt die drohende TV-Prämie von 40 Millionen, die bei einem Abstieg wegbrechen. Die Rechnung ist einfach: Ein Jahr Bauer kostet mehr als ein Jahr Zweitliga-Kader.
Die Stimmung im Block der Wolfsburger Ultras kippte in Hass. Flascchen flogen auf das Trainerbänkchen, Security musste Bauer nach dem Abpfiff in die Kabine eskortieren. „Ich fühle mich leer“, sagte er noch vor der Pressekonferenz zu BILD. „Leer und schuldig.“ Dabei war er selbst einst Spieler, der den VfL 2009 vor dem Abstieg rettete. Nun wird er in die Geschichtsbücher eingehen als erster Coach, der den Klub runterwirtschaufelt.
Hsv jubelt, mainz und stuttgart liefern sich ein drama – und undav nagelt nagelsmann die fresse
Während in Wolfsburg der Hahn kracht, feiern die Hamburger den zweiten Aufstieg in Folge. Die Rothosen springen auf Platz eins der Relegation, haben das Hinspiel im Pocket. Doch auch der Rest des 33. Spieltags liefert Cinema. In Mainz fallen vier Tore innerhalb von 14 Minuten – Danny da Costa köpft in der 90. Minute das 2:2. Deniz Undav, 27 Jahre, 16 Saisontreffer, schießt Stuttgart kurz vorher in Führung und legt den Finger an die Lippen. Botschaft an Bundestrainer Julian Nagelsmann: „Ich liefere, du ignorierst.“ Seit der Winterpause kein Gespräch, keine WhatsApp, kein Lächeln. „Meine Argumente sind auf dem Platz“, sagt Undav. Die Statistik gibt ihm recht: Nur Harry Kane traf häufiger in dieser Rückrunde.
Freiburg und Leverkusen liefern ein 3:3 vom Feinsten: Grifo überholt Petersen als Rekordtorschützer, Grimaldo zaubert einen Freistoß in die obere linke Ecke, Terrier schießt Bayer wieder nach vorn – ehe Ginter in der 86. Minute per Kopf den Lucky-Punch versenkt. Leipzig dreht in der Nachspielzeit ein 0:1 in ein 2:1, Schlotterbeck trägt das Eigentor vor – und Oliver Mintzlaff atmet trotz Pfiffen durch. Die Champions-League-Plätze sind noch offen, die Abstiegsfrage auch.
Am Ende bleibt eine bittere Wahrheit: Der VfL Wolfsburg schafft das, was keiner für möglich hielt – er wird zur Tragödie. Die Fans sangen noch „Nur der VfL“ – doch das war kein Gesang, es war ein Requiem. Daniel Bauer wird am Montag die Koffer packen. Die Bundesliga verliert einen Klub. Der Klub verliert seine Seele.
