Baseball-weltklasse: italiens quartett schlägt ein, der diamant glüht

Ein Quadrat, vier Basepads, neun Verteidiger – und plötzlich liegt ganz Italien im Baseball-Fieber. Nach dem Einzug der Squadra Azzurra ins Viertelfinale des World Classic schalten auch hierzulande Radiosender um, weil Zuhörer „Dugout“, „Bullpen“ und „Inning“ hören wollen. Wer jetzt noch „zu langsam“ murmelt, hat das Spiel einfach nicht verstanden.

Der diamant steht kopf

Der „Diamant“ ist kein Schmuckstück, sondern ein gedrehtes Quadrat. Er verbindet Home Plate mit drei weiteren Basen. Dort patrouillieren die Infielder – erste, zweite, dritte Base plus der athletische Shortstop. Dahinter jagen drei Outfielder jede Flugball-Linie bis zur Wand. Neun Italiener, neun Charaktere, ein einziger Plan: 27 Outs sammeln und nie remis spielen – denn Unentschieden gibt es nicht.

Ein Inning dauert, bis drei gegnerische Schläger outs sind. Dann wechselt das Angriffsrecht. Theoretisch kann eine Partie ewig dauern – und genau das macht den Reiz. Im Viertelfinale am Samstag gegen Puerto Rico drohen Extra-Innings, also Verlängerungen ohne Ende.

Strike, ball und die 60 fuß-6-zoll-welt

Strike, ball und die 60 fuß-6-zoll-welt

Der Pitcher steht auf einem Hügel, genannt „mound“, exakt 18,44 Meter vor dem Catcher. Zwischen beiden tobt ein Schachduell, nicht ein Kraftakt. Ein Strike kommt, wenn die Ball durch die imaginäre Zone fliegt und der Schläger leer zischt – drei Strikes bedeuten Out. Vier Balls dagegen schenken kostenlos erste Base. Foul-Bälle zählen als Strike, aber nie als dritter – ein netter Gnadenakt.

Italiens Catcher Alberto Mineo verkündet per Fingerzeichen, welche Täuschung als Nächstes fliegt. Curveball, Slider, Fastball – jeder Wurf ein kleiner Betrug, jede Sequenz ein Krimi. Wer denkt, Baseball sei reine Statistik, unterschätzt die Psychologie zwischen den beiden Männern auf dem Hügel und hinter der Platte.

Home run, dugout espresso und der mythos bullpen

Home run, dugout espresso und der mythos bullpen

Ein Home Run ist keine Einführung, sondern ein Eruption. Ball über Zaun, Punkte auf Anhieb. Mit voller Bande – also bei besetzten Basen – resultiert der Grand Slam, vier Zähler auf einen Schlag. Italien schaffte drei Solos gegen Kuba; eines davon trug John Andreoli über die linke Wand in Tokio.

Während andere Teams kauen, kocht Italien. Im Dugout rattert eine Espresso-Maschine, mitgebracht von italienischen Fans aus Brooklyn. Kaffeearoma mischt sich mit dem Geruch frisch geölter Handschuhe. Der Dugout ist Bühnenboden und Wartezimmer zugleich – kein verlängerter Bänker, sondern ein halbversenkter Bunker voller Gebärden und Flüche.

Im Bullpen erwachen die Reserve-Pitcher. Jeder warms up mit 25 Würfen, dann folgt entweder Rückkehr auf die Bank oder Eintritt ins Helden- bzw. Schreckensszenario. Manager Mike Piazza hat acht Werfer bereit, von Starters bis Closer. Puerto Rico ebenso. Das Duell wird erst in den späten Innings entschieden – und vielleicht in jenem Moment, wenn ein bullpen-Tor aufkreischt und ein neuer Arm den Diamant betritt.

Baseball ist kein Zeitspiel, sondern ein Spiel mit Zeitlöchern. Jede Sekunde kann brennen. Und wer am Samstag die Begriffe beherrscht, merkt: Es ist nicht langsam – es ist nur anders. Wenn Italien gewinnt, schlägt ein ganzes Land überraschend ein.