Barrys spätknaller verhindert offenbacher k.o. – ofc rutscht trotzdem auf abstiegsrang

Boubacar Barry schlenzte die Kugel aus 20 Metern ins linke Dreieck, und 1.620 Zuschauer im Waldstadion platzten kurz vor Schluss in ein kollektives „Endlich!“. Doch die Erleichterung währte nur Sekunden, dann blickten die Kickers-Profis aufs Handydisplay: SC Freiburg II hatte in Mainz dreifach zugeschlagen – und Kickers Offenbach ist erstmals seit 2012 auf einem Abstiegsplatz.

Die 82. minute rettet nur scheinbar

Die Zahlen sind hart: seit sieben Pflichtspielen kein Sieg, erst 19 Punkte aus 18 Partien, nur zwei Zähler Vorsprung auf Schlusslicht Stuttgart II. Trainer Angelo Glibo sprach von „Kopf- statt Beinfußball“, meinte aber auch: „Wenn du 80 Minuten alles richtig machst und dann doch hinten stehst, nagt das an der Seele.“ Sein Gegenüber Jürgen Hartmann (FC 08 Homburg) konterte trocken: „Wir haben Offenbach die Räume gegeben, die sie brauchen – und trotzdem zwei Punkte liegen lassen.“

Die Partie selbst war ein Lehrstück über Effizienz gegen Enthusiasmus. Kaan Inanoglu nutzte die erste Homburger Ecke, um mit der Innenseite zur Führung einzunetzen (13.). Danach diktierte der OFC das Tempo, doch Chances-to-Goals-Ratio liegt bei 12:1 – ein Wert, der Abstiegskandidaten verrät. Barry, bislang eher Defensivanker, beendete mit seinem Premierentreffer für Offenbach die Durststrecke, nicht aber die Krise.

Hessen-dämmerung: nur fulda gewinnt

Hessen-dämmerung: nur fulda gewinnt

Parallel rutschen auch Steinbach Haiger (1:4 in Stuttgart), KSV Hessen Kassel (0:1 in Großaspach) und FSV Frankfurt (2:3 gegen Balingen) durch die Tabelle. Die einzige Trophäe des Wochenendes holte die SG Barockstadt Fulda, die Mainz II mit 2:1 bezwang und damit als einziger hessischer Klub die rote Laterne weitergibt. Für den OFC heißt es nun: 14 Tage bis zum nächsten Lebenszeichen – Heimspiel gegen den SC Freiburg II, genau jene Mannschaft, die sie in die gefährliche Zone stieß.

Die Kabine in Homburg war nach Abpfiff merklich gedämpft. Kapitän Dennis Riemer brachte die Stimmung auf den Punkt: „Wir retten uns mit dem letzten Atemzug, aber Atemlosigkeit ist kein Lebensstil.“ Sportdirektor Marcus Steegmann kündigte an, „alle Optionen offen“ zu halten – ein Satz, der in der Regionalliga selten etwas Gutes bedeutet. Wenn der OFC in zwei Wochen nicht gewinnt, droht der erste Abstieg in die Oberliga seit 2008. Die Uhr tickt lauter als Barrys Schuss knallte.