Barcelona zündet die 100-tage-fuse: tour-comeback nach 60 jahren wird ein spektakel

Die 113. Tour de France rollt am 5. Juli über die Ramblas – und Barcelona hat schon mal das Sektglas erhoben. 100 Tage vor dem Grand Départ verwandelten 50 katalanische Gemeinden 130 Bauwerke in leuchtendes Gelb, Miguel Indurain lachte den Ramblas-Blues weg und Christian Prudhomme gab sich die Ehre, als wäre nie etwas anderes geplant gewesen.

Die stadt kleidet sich in gelb – und montjuïc wartet schon

Am Arc de Triomf zählte ein digitaler Countdown runter, während hinter ihm Casa Batlló, Sagrada Família und Terminal 1 des Flughafens wie Konfetti leuchteten. Die Botschaft: Barcelona will das größte Straßenrennen der Welt nicht nur beherbergen, sie will es verschlingen. „Wir träumen seit 2009 davon“, sagte Bürgermeister Jaume Collboni, der 2009 noch Berater war und nun – endlich – den Startschuss gibt. Die erste Etappe führt am Samstag in eine 22 km lange Team-Zeitfahrt, die zweite am Sonntag von Tarragona zurück an die Mittelmeerküste – mit drei Anstiegen auf Montjuïc, wo sich die Beine schon früh verabschieden werden.

Thierry Gouvenou, der Streckenmacher, sprach von „San Luca in Bologna auf Katalanisch“. Die Rampen sind kürzer als in Bilbao 2023, aber steiler als Pike Place in Seattle. Ergebnis: Sekunden werden hier verteilt, nicht Minuten – perfekt, um Favoriten zu testen, ohne sie zu zerquetschen. „Wer hier versagt, darf in den Alpen nicht mehr aufholen“, sagte er und klang wie ein Mann, der schon weiß, dass die erste Woche Explosivstoff birgt.

Indurain, romeo und der soundtrack aus dopingverdacht-freiheit

Indurain, romeo und der soundtrack aus dopingverdacht-freiheit

Fünfmaliger Tour-Sieger Indurain schlenderte in weißem Hemd über den roten Teppich, neben ihm Ivan Romeo, Spanien-Mehrheitsmeister, der noch nie eine große Rundfahrt beendet hat. Zwischen ihnen: 60 Jahre Tour-Abstinenz Barcelonas. Die Band Doctor Prats ließ „Energia!“ durch die Gänge knallen – ein Ohrwurm, der klingt, als hätte sich das Peloton selbst produziert. Prudhomme schwärmt von 1965, seinem Geburtsjahr und dem letzten Besuch der Tour in der katalanischen Hauptstadt. „Ein Kreislauf“, sagt er, „nur dass diesmal die Räder schneller drehen und die Stadt nicht mehr Schlusslicht, sondern Auftakt ist.“

30 000 Schulkinder schreiben derzeit die Dictée du Tour mit, auf Französisch, in katalanischen Schulen. Die Besten dürfen im Juli am Streckenrand stehen, wo sonst nur Presse und VIPs Platz haben. Die Message: Die Tour soll nicht nur vorbeirauschen, sie soll bleiben – im Kopf, im Herzschrittmesser, im Tourismusbudget.

Barcelona hat sich warmgefahren. Die Räder noch nicht. Aber wer am Samstag die Ramblas hinauffährt, wird spüren: Die Stadt atmet schon im Takt der 21 Schaltstufen. Und Montjuïc wartet mit offenen Armen – und geschlossenen Kurven.