Balogun wirft messi, mbappé und haaland den handschuh hin: „ich kann sie alle einholen“
Folarin Balogun sitzt in der Sonne von Irvine, trägt das Trikot der USA und spricht mit einem Akzent aus dem Osten Londons. Eine Stimme, die völlig falsch klingt – bis man seine Geburtsurkunde sieht: Brooklyn, 3. Juli 2001. Seine Mutter kam nicht mehr ins Flugzeug zurück nach London, Geburt zu nah, Pass zu wertvoll. Das Rest ist Geschichte – und jetzt, 23 Jahre später, legt der Stürmer des AS Monaco vor der Partie gegen die Türkei eine Kampfansage an die Galaxie der Superstars hin.
„Ich bin kein nebendarsteller mehr“
Zwei Tore in zwei Spielen, Gruppensieg, Sturmanker von Mauricio Pochettino. Balogun blickt nüchtern: „Die Zahlen sind okay, aber ich will mehr. Ich sehe Messi, Mbappé, Haaland – die schreiben jedes Spiel eine Rechnung auf. Meine Bank ist noch nicht so voll, aber sie wird es.“ Dass er dabei überhaupt für die USA spielt, hatte er selbst in der Hand: „England wollte mich, Nigeria wollte mich. Ich entschied mich für die Stars and Stripes, weil hier niemand an Grenzen denkt.“
Die Entscheidung könnte sich auszahlen. Im Training plaudert Weston McKennie ihm Videos von Bars in Kansas City vor, wo Hunderte in US-Trikots ausrasten, wenn ein Tor fällt. „Die Energie ist wie Strom. Ich will mehr davon.“

Pochettino: drill-sergeant mit offensiv-lehre
Der Coach mischt sich unter die Spieler, stellt Fragen über Basketball, über Hip-Hop, über amerikanische Autobahnen. „Er ist einer von uns, aber wenn du fünf Minuten zu spät kommst, bist du gelandet“, lacht Balogun. Der argentinische Taktik-Fuchs verlangt Pressing auf Höhe Mittellinie, sofortige Rückeroberung, kein Zurück. „Das macht Spaß, weil wir jederzeit bereit sind, zu sprinten, bis die Lunge brennt.“
Achtung: Gelb-Rot-Gefahr gegen die Türkei. „Ich weiß es. Aber Stürmer ist auch der erste Verteidiger – ich gewinne den Ball, bevor der Gegner ihn hat.“

Der traum vom ewigen tor
Felix Nmecha von Deutschland beobachtet er abends im Hotel. „Physis, Technik, Timing – der Junge wird groß.“ Aber sein eigener Horizont ist höher. „Ich will nicht nur bei den ‚anderen Menschen‘ genannt werden. Ich will mit den Göttern in einem Satz stehen. Vielleicht nicht heute, aber schon morgen.“
Die USA sind ein Patchwork aus Doppelstaatsbürgern – genau wie das Land selbst. „Wir spiegeln Amerika, multikulturell, stolz, laut. Wenn wir gewinnen, gewinnt jeder, der mal irgendwo anders geboren wurde und jetzt hier lebt.“
Und das Gerücht vom Inter-Wechsel 2023? „Keine Ahnung. Mein Kopf ist voll mit diesem Turnier, mit dem nächsten Tor, mit der nächsten Aktion.“ Balogun steht auf, streift sich die Kappe mit dem Adler über. Kein Blick zurück. Nur nach vorn – Richtung Messi, Mbappé, Haaland und, vielleicht, ganz oben auf die Liste der ewigen Torschützen.

Die bilanz
Zwei Spiele, zwei Siege, sechs Punkte. Balogun hat nur noch eine Rechnung offen: die mit der Galaxie der Unantastbaren. Und er schickt sie jetzt per Direktflug.
