Bagijan schlägt kazmaier: russlands goldregen geht weiter, pelkum schaut weg

Anastasija Bagijan hat in Tesero den Klassik-Sprint der sehbehinderten Langläuferinnen gewonnen – und Linn Kazmaier die Silbermedaille entrissen. 19 Jahre alt, Heimspiel in den Dolomiten, doch auf dem Podest fehlte das Lächeln. Kazmaier und Guide Florian Baumann verweigerten das gemeinsame Foto mit der Russin und der Chinesin Jihong Cong. Ein Schweigen, das lauter ist als die Hymne, die danach erklang – schon zum zweiten Mal binnen 24 Stunden.

Die sache mit der hymne

Warwara Worontschichina war am Montag im Super-G gestartet, um Russlands erste Goldmedaille unter eigenem Banner seit Sotschi 2014 zu sichern. Nun folgte Bagijan. Beide Male ertönte die russische Nationalhymne – ein Klang, der vor einem Jahr noch undenkbar war. Ende September hob das IPC die Suspendierung auf, seitdem sammeln russische und belarussische Athleten Punkte für das Ranking, das keiner mehr stoppen kann. Vier Medaillen hat Russland bereits, und es ist erst Tag zwei.

Im stehenden Sprint der Männer setzte sich Raman Swirydsenka aus Belarus vor Sebastian Marburger vom DBS durch. Marburger verpasste die Gold-Sensation um 1,3 Sekunden. Im Ziel stützte er sich auf die Stöcke, atmete schwer – und wusste: Mit Swirydsenka wird jetzt jede Rennanalyse auch eine politische.

Qualifikation mit beigeschmack

Qualifikation mit beigeschmack

Am Morgen waren erstmals wieder russische und ukrainische Athletinnen im selben Bewerb angetreten. Kein Handeschütteln, kein Blickkontakt. Die Streckenposten berichteten von „eisiger Stille“ entlang der Loipe. Bagijan gewann ihre Vorläufe souverän, doch die Frage, ob diese Begegnung Sport oder Schaulaufen war, begleitete sie bis ins Ziel.

Für Kazmaier wird das Silber zur Zerreißprobe. Sie trainiert in Oberhof, spricht fließend Russisch, hat Freunde in Moskau. Nun steht sie auf dem Podest und spürt, dass die Kameras nicht nur die Siegerin im Blick haben, sondern auch die, die sich weigert, neben ihr zu posieren. Ihr Verzicht auf das Selfie ist kein Protest gegen Bagijan, sondern ein Statement an das IPC – und an die eigene Sportgemeinschaft. Pelkum wird das Bild nicht in der Chronik verankern.

Die Leichtathletik-Welt schaut auf Tesero, doch die wahren Nachrichten kommen aus dem Mixed Zone-Bereich. Dort flüstern Betreuer, dass weitere Starterinnen überlegen, die Siegerehrungen zu boykottieren. Die Hymne wird wieder spielen – das steht fest. Wer dann noch auf dem Podest steht, entscheidet sich erst in den nächsten Tagen. Der Winter ist lang, und die Loipe kennt kein Pardon.