Bad homburg rettet sich im schlafanzug – pokal-coup und jubel auf der couch
Der TTC OE Bad Homburg spielte sich in die Bundesliga-Geschichte – im Pyjama. Während andere Teams auf Tischtennis-Platten zittern, lag Sportchef Sven Rehde am Sonntag auf der Couch, schaltete Bad Königshofen gegen Grünwettersbach ein und wusste nach dem 3:0: Wir bleiben drin. Kein Ballwechsel, kein Schweiß, nur ein WhatsApp-Gruppensturm mit Emojis statt Jubelkette.
Der sieg gegen saarbrücken war der eigentliche rettungsanker
Die Karawane aus Ober-Erlenbach hatte drei Tage zuvor selbst Hand angelegt. Gegen den haushohen Favoriten 1. FC Saarbrücken schlug die Talentschmiede mit 3:2 – ein Ergebnis, das in der Liga für Raunen sorgte. Denn Bad Homburg setzt auf Null-Budget und 100 % Jugend. „Vor der Saison sagten alle, wir holen kein einziges Match“, erinnert sich Rehde. Statistik lügt nicht: Sieben Siege aus 20 Partien, Platz neun, sicher im Mittelfeld.
Die Niederlage in Bergneustadt zwei Tage später? Vergeblicher Kampf gegen die Mathe. Die Couch war entscheidender.

Pokal-halbfinale als mentalitätsdoping
Mehr Adrenalin kriegten die Youngster im TTBL-Pokal. Im Viertelfinale flog Borussia Düsseldorf aus der Halle – 3:2, goldenes Match, Final Four zum zweiten Mal in Serie. Im Halbfinale scheiterte man erst an TTV Gönnern/Fulda-Maberzell mit 2:3. „Das war unser eigentlicher Saisonhöhepunkt“, sagt Rehde. Die Pokal-Helden wuchsen über sich hinaus – und das Selbstvertrauen rettete sie am Ende auch in der Liga.

Japanischer flügelspieler macht karriere-pause
Einzig Jo Yokotani verlässt den Klub. Der 21-jährige Japaner will ins Olympiakader seines Verbandes. Bedingung: Spiel in der Heimat. Rehde zuckt mit den Schultern: „So einen Traum verbietet man keinem.“ Wer nachrückt, steht kurz vor der Unterschrift – Name hält der Verein unter Verschluss, um keinen Twitter-Countdown zu riskieren.
Helmut hampls letzter tanz
Und dann ist da noch der Mann, der Timo Boll einst formte. Helmut Hampl, 73, Trainer seit acht Jahren, wird die Handtuchrolle an den nächsten Coach übergeben. Seine Zukunft: Sportvorstand, Tribüne statt Time-out. Bevor er abdankt, will die Halle ihm ein Abschiedsgeschenk machen: 14. April, Heimspiel gegen Ochsenhausen. „Wir wollen ihm den Sieg schenken, dann feiern wir – nicht auf der Couch, sondern auf dem Parkett“, sagt Rehde.
Die Saison ist gerettet, der Trainerwechsel steht, der Pokal-Kick klingt nach. Bad Homburg beweist: Man muss nicht reich sein, um in der TTBL zu überleben – nur mutig. Und ab und an einen guten Streaming-Dienst.
