Backhaus raus in braunschweig – der abstiegsdruck frisst den nächsten trainer

Der BTSV beendet das Experiment Heiner Backhaus. Nach 14 Spielen ohne Sieg und dem 15. Tabellenplatz als Prekariat statt Perspektive trennen sich die Niedersachsen von ihrem Chefcoach – und das nur 72 Stunden nach dem erhofften Befreiungsschlag in Paderborn.

Die Rechnung ging nicht auf. Backhaus wollte mit dem 1:1 beim SC Paderborn den Knoten zerschlagen, stattdessen zerschlug die Vereinsführung das Trainerduo. Julius Schell, Analyst und enger Vertrauter, muss ebenfalls gehen. Marc Pfitzner und Marcel Goslar übernehmen erst einmal das Training, eine Lösung für die kommenden Wochen soll „zeitnah“ präsentiert werden. Das klingt nach interner Lösung, klingt aber auch nach einem Klub, der keine Zeit mehr verschenken darf.

Die zahlen, die backhaus beerdigen

Seit dem 1:0 gegen Karlsruhe Ende Januar holte Braunschweig nur zwei Punkte aus sieben Partien. Die Tordifferenz von minus elf ist die zweitschlechteste der Liga, nur Fürth steht noch drunter – und genau dort schielt der BTSV momentan hin: auf Relegationsplatz 16. Die Phase mit acht Niederlagen aus neun Spielen zwischen September und November hatte Backhaus noch überstanden, diesmal reichte selbst ein Remis in Paderborn nicht mehr als Gnadenfrist.

Sport-Geschäftsführer Benjamin Kessel betont, die Entscheidung sei „nicht aufgrund eines einzelnen Spiels“ gefallen. Gemeint ist: Die Mannschaft stagniert, die Automatismen funktionieren nicht, die individuelle Fehlerquote steigt. Wer sich in der 2. Bundesliga länger als zwei Monate ohne Sieg in der Tabelle verankert, muss mit Konsequenzen rechnen. Die Liga duldet kein Warten mehr.

Backhaus hinterlässt ein zersplittertes projekt

Backhaus hinterlässt ein zersplittertes projekt

Im Sommer noch war die Stimmung eine andere. Der Pokalfight gegen den VfB Stuttgart (7:8 n. E.) bescherte dem Klub europaweite Aufmerksamkeit, zwei Siege zum Auftakt schürten Hoffnung auf die obere Tabellenhälfte. Doch zwischen Aufbruch und Absturz liegen nur wenige Wochen. Der von Backhaus propagierte „Struktur und Halt“ verwandelte sich in lethargische Ballzirkulation und kapitale Lücken zwischen den Sechern und der Abwehrkette.

Die Spieler verloren das Vertrauen in die Marschroute, das Kollektiv verlor die Ordnung. Wer in Aachen noch von einem motivierenden Umgang schwärmte, erlebte in Braunschweig einen Coach, der mit der Brechstange versuchte, Systeme in eine Mannschaft zu bohren, die sich bereits in der vergangenen Saison durch wilde Laufbereitschaft rettete. Die Mischung passte nicht, die Ergebnisse schon gar nicht.

Der nächste trainer tritt einen hoffnungslosen job an? ganz im gegenteil

Der nächste trainer tritt einen hoffnungslosen job an? ganz im gegenteil

Braunschweig verfügt über eine solide Innenverteidigung um Filip Benković, eine technisch versierte Doppelsechs mit Danilo Wiebe und einem Robin Krauße, der sich als Ballverteiler immer wieder freiläuft. Die Außenbahnen um Maurice Multhaup und Levente Szabó besitzen Tempo, die Spitze um Fabio Kaufmann Treffsicherheit. Das Gerüst ist vorhanden, die Marschroute muss nur wieder zu den Stärken passen.

Die Fans haben in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie auch mal 0:3-Rückstände mitbekommen und trotzdem bis zum Abpfiff ansingend mitgehen. Solche Energie kann der neue Coach nutzen – wenn er sie katalysiert statt ignoriert. Die Saison ist noch nicht verloren, der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt zwei Zähler, der Rückstand auf Platz zwölf nur fünf. Drei Siegen kann die Welt wieder anders aussehen. Im Kleeblatt-Prinzip „Abstiegskampf plus Aufbruch“ hat der BTSV schon überlebt, diesmal muss nur die richtige Zündschnur gefunden werden.

Backhaus verlässt den Klub mit dem Satz: „Ich bin mir sicher, der Klassenerhalt gelingt.“ Mag sein, dass er recht behält. Doch er wird ihn nicht mehr miterleben. Die Eintracht muss jetzt beweisen, dass die Mannschaft mehr ist als die Summe der letzten Ergebnisse – und dass die nächste Idee endlich wieder Tore statt Krisen produziert. Die Uhr tickt. Zweimal noch bis zur Winterpause, dann zeigt sich, ob der BTSV sich selbst rettet – oder ob der freie Fall erst beginnt.