Backhaus pariert wolfsburg weg und lässt werder wieder atmen
Mio Backhaus spielte sich in Wolfsburg vom Buhmann zum Helden. Mit zwei Reflexe in der 44. Minute – erst gegen Lindström, dann gegen Eriksen – verhinderte er die drohende 0:1-Pausenpleite, schuf die Basis für Mitchell Weisers Siegtreffer und den ersten Auswärtssieg seit 133 Tagen.
Die Zahlen sind gnadenlos: Vor dem Spiel hatte Werder 13 von 16 Gastspielen verloren, Backhaus selbst war in Hamburg mit einem Abspielfehler direkt für das 0:1 verantwortlich. Gegen Wolfsburg aber stand er 90 Minuten lang einmal mehr der jüngste Schlussmann der Liga, der schon jetzt die meisten Punkte aller Werder-Keeper unter 22 rettete.
„Kaffee umgekippt – aufwischen, weiter“
Leonardo Bittencourt lieferte das Bild des Abends. „Wie er mit dem Rückschlag umgeht: als hätte er nur eine Tasse Kaffee umgekippt – aufwischen, einfach weitermachen“, sagte der Mittelfeldspieler und pries die Reife des 21-Jährigen, der sich nach dem St.-Pauli-Patzer nicht einkriegen ließ. Die Lobeshymne kam nicht von ungefähr: Ohne Backhaus’ Doppel-Parade hätte Werder die zweite Halbzeit nicht mal in Angriff nehmen können.
Trainer Daniel Thioune stempelte die Vorstellung prompt zur „Leistung mit Sternchen“ und erinnerte daran, dass der Deutsche U-21-Nationaltorhüter mittlerweile 8 von 14 Ligaspielen zu Null blieb – ein Wert, den kein Werder-Keeper seit Tim Wiese 2009 vor Weihnachten erreichte. „In der Phase, in der wir stecken, brauchen wir einen verlässlichen Rückhalt. Mio liefert ihn“, sagte Thioune und kündigte an, künftig noch mehr auf die Füße des Keepers zu vertrauen.

Der abstiegskampf beginnt im kopf
Die Tabelle lügt nicht: Werder steht nach 14 Spieltagen bei 14 Punkten, nur zwei Zähler vor dem Relegationsplatz. Doch die Stimmung im Block der Mitgereisten kippte in Wolfsburg spürbar. „Siege sind wie eine Sucht“, sagte Backhaus selbst und lachte, als ihm Yukinari Sugawara halb scherzhaft den Titel „beste Keeper der Liga“ andichtete. „Bleib bescheiden!“ rief der Japanische Verteidiger – ein Appell, den Backhaus nicht nötig hat. Er wischt weiter, Kaffeeflecken oder Gegentore, ganz egal.
Am Freitag kommt Heidenheim, das Team, das Werder in der Vorsaison mit 0:5 demolierete. Backhaus wird wieder im Tor stehen, wieder diese leise Selbstsicherheit ausstrahlen. Denn wenn der Klub den Klassenerhalt schafft, dann nicht wegen eines Transfer-Winters, sondern weil der jüngste Mann im Kader die Nerven der Älteren beruhigt. 21 Jahre, 1,92 Meter, unerschütterlich – und plötzlich der Grund dafür, dass Werder wieder glaubt, dass unten noch Licht ist.
