Auto union lucca: rekonstruktion eines geschwindigkeitswunders erblickt das licht der welt

Ein legendärer Name kehrt zurück – und zwar in atemberaubender Form. Der Auto Union Lucca, einst der schnellste Rennwagen der Welt, erstrahlt nach Jahrzehnten des Verschwindens in neuem Glanz. Audi Tradition präsentierte eine detailgetreue Rekonstruktion des legendären Fahrzeugs, dessen Geschichte ebenso turbulent wie beeindruckend ist, und wird ihn im Juli auf dem Goodwood Festival of Speed zeigen. Ein Projekt, das mehr als zehn Millionen Euro kostete, ehrt nicht nur die Ingenieurskunst der 1930er Jahre, sondern auch das kühne Streben nach Geschwindigkeit, das eine ganze Ära prägte.

Die geburt eines rennphantoms: auto union im wettrennen mit mercedes

Die 1930er Jahre waren eine Zeit des technischen Wettstreits, in der die Automobilindustrie zum Schauplatz nationaler Überheblichkeit wurde. Deutschland stand im Zentrum dieses Kampfes, wobei Mercedes und Auto Union – bestehend aus Audi, DKW, Horch und Wanderer – die Speerspitze bildeten. Der Motor vor versus Motor quer, Caracciola versus Hans Stuck – die Rivalität war elektrisierend. Nach der ersten Saison der Grand-Prix-Rennen 1934 wurde klar: für den ganz großen Wurf bedurfte es mehr als nur Pferdestärken.

Der Winter 1934/35 markierte einen Wendepunkt. Daimler-Benz hatte den Geschwindigkeitsrekord in Ungarn zurückerobert, und der Druck auf die Ingenieure von Auto Union war enorm. Unter der Leitung von Ferdinand Porsche begann ein fieberhaftes Treiben, das zu einem revolutionären Konzept führte: dem Rennlimousine. Anders als die Konkurrenz, die auf brute Gewalt setzte, vertraute Porsche auf Aerodynamik – und zwar in einer Weise, die ihresgleichen suchte.

Der Windkanal wurde zum Labor: Porsche und sein Team zogen die Erkenntnisse der Luftfahrt in den Automobilbau ein. Der Auto Union Rennlimousine, der fast wie ein Flügel ohne Tragflächen wirkte, wurde im Windkanal des Berliner Instituts für Luftfahrtforschung optimiert. Die Karosserie aus Aluminium wurde poliert und transparent lackiert, die Räder mit glatten Radkappen versehen, und die Fahrerkabine in eine Art Cockpit verwandelt. Jedes Detail, von den Luftschlitzen für den Vergaser bis zum angehobenen Auspuffrohr, war auf einen reibungslosen Luftstrom ausgelegt.

Die odyssee nach lucca: auf der suche nach dem perfekten asphalt

Die odyssee nach lucca: auf der suche nach dem perfekten asphalt

Die Rekordjagd führte das Team zunächst nach Gyón, Ungarn, doch das winterliche Wetter spielte nicht mit. Nach einem gescheiterten Versuch im Februar 1935, der durch atmosphärische Bedingungen und einen Auspuffdefekt unterbrochen werden musste, suchte man weiter. Versuche in Mailand scheiterten ebenfalls, da auch dort Schnee lag. Schließlich fand man das Heil in der Region Lucca, Italien.

Eine acht Meter breite, gerade Straße zwischen Florenz und Viareggio, zwischen Pescia und Altopascio, wurde zum Schauplatz der Geschichtserschreibung. Am 14. Februar 1935 begannen die Vorbereitungen, und am nächsten Morgen, um 9:00 Uhr, drückte Hans Stuck den Gasfuß. Nach mehreren Durchläufen erreichte er im dritten Anlauf eine Geschwindigkeit von 326,975 km/h – eine Zahl, die die Welt erschütterte. Auf einer öffentlichen Straße, keine 400 Meter von der Stadt Lucca entfernt.

Von avus zum vergessen: das bittere ende einer ära

Von avus zum vergessen: das bittere ende einer ära

Die Euphorie währte nicht lange. Bereits Ende Mai 1935 wurden zwei Fahrzeuge auf dem Berliner Avus-Ring getestet, einer Strecke, auf der es nur um Höchstgeschwindigkeit ging. Doch das junge Talent Bernd Rosemeyer erlitt einen Reifenschaden bei fast 290 km/h und konnte den Wagen nur mit großer Mühe kontrollieren. Auch das zweite Fahrzeug, gesteuert vom Prinzen Hermann zu Leiningen, musste wegen Kühlproblemen aufgeben. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs endete die Geschichte dieser legendären Autos abrupt. Der sowjetische Militär raubte den Großteil des Auto Union Materials als Kriegsgewinn aus, und die silbernen Boliden verschwanden spurlos in der Sowjetunion.

Ein Wunderwerk der Rekonstruktion: Was nun in Goodwood zu sehen ist, ist eine detailgetreue Replik, die von den britischen Spezialisten von Crosthwaite & Gardiner gefertigt wurde. Über drei Jahre lang haben sie anhand historischer Fotos und Pläne jedes einzelne Teil von Hand gefertigt. Timo Witt, Leiter der Audi Tradition Sammlung, betonte, dass der Lucca mit einem V16-Motor des Type C 6.0 ausgestattet ist, der äußerlich dem 5.0-Liter-Original gleicht, aber deutlich zuverlässiger ist. Auch einige Verbesserungen an der Belüftung, die für das Avus-Rennen vorgenommen wurden, wurden beibehalten.

Der Windkanaltest ergab einen Luftwiderstandskoeffizienten von 0,43 – eine unglaubliche Leistung für diese Zeit. Zum Vergleich: ein moderner Audi A6 e-tron Sportback erreicht einen Wert von nur 0,21. Der Auto Union Lucca steht für eine Ära des Motorsports, in der kühne Ingenieurskunst und der unbedingte Wille zum Sieg alles überstrahlten. Ein Erbe, das mit dieser beeindruckenden Rekonstruktion neu entfacht wird.

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