Aus dem schatten zum ramonster: hendriks jagt stuttgarts gegner in den wahnsinn
Einmal 700.000 Euro, kein einziges Mal gejubelt – das war Ramon Hendriks vor anderthalb Jahren. Jetzt sprintet der 24-jährige Niederländer mit 35,07 km/h an allem vorbei, was in der Bundesliga Beine hat, und frustierte selbst RB-Leipzigs Shootingstar Yan Diomande. Der VfB Stuttgart nennt ihn liebevend „RaMONSTER“, und das ist kein Marketing-Gag mehr, sondern Realität.
Der unsichtbare, der den sieg sicherte
Während Deniz Undav nach seinem 16. Saisontor die Kameras anzog und Trainer Sebastian Hoeneß ihn als „Löwen“ feierte, erledigte Hendriks hinten die Drecksarbeit. 19 Sprints, 60 % Zweikampfquote, Diomandes Wirbelsturm abgeflacht. Ohne diese Leistung bleibt das 1:0 ein Traum. „Gemeinsam haben wir uns in jeden Zweikampf reingeworfen“, sagt er bescheiden, aber die Zahlen sprechen lauter als jedes Schlagwort.
Der Weg dahin war alles andere als glamourös. In Rotterdam blieb Hendriks hinter den Stars stehen, lief in Arnheim auf, galt als Bankdrücker mit Potenzial. Fabian Wohlgemuth nahm ihn trotzdem mit – wegen seiner Physis, wegen seiner Schnelligkeit, wegen des Preises. 700.000 Euro, ein Tausendsassa für die zweite Garde, dachten viele. Doch schon nach wenigen Wochen merkte Hoeneß, dass er mehr hatte als nur einen Lückenfüller.

Zwischen akelei und abseits – wie hendriks die abwehr neu erfand
Stuttgarts Defensive war nach dem Abgang von Anton zunächst ein Puzzle mit fehlenden Teilen. Hendriks biss sich fest, lernte Deutsch, studierte Gegner, vertikalisierte sich. In 23 von 26 Bundesliga-Partien lief er auf, meist ohne Fehler. Seine Grätschen wirken wie ein Schachzug: berechnet, zielstrebig, unerbittlich. Kein Wunder, dass europäische Klubs bereits heimlich Anfragen stellen. Der VfB will den Vertrag bis 2028 vorzeitig verlängern – und das, obwohl der Marktwert sich längst verzehnfacht hat.
Die Fans lieben ihn nicht nur wegen der Tacklings, sondern wegen seiner Art, Fußball als Handwerk zu begreifen. Kein Gehabe, keine Selbstinszenierung, nur Meter machen, Bälke klären, Siege einfahren. Genau das macht einen modernen Innenverteidiger aus: Speed, Kopf, Ego los.
Am Sonntag gegen Leipzig war Hendriks’ Parade-Einlage ein Lehrstück für alle, die glauben, Abwehr sei nur Frage der Erfahrung. Er riss Diomande den Ball vom Fuß, katapultierte sich mit solcher Wucht nach vorn, dass selbst die Tribüne kurz mitzog. Danach zog er sich zurück, ließ andere strahlen, wuschelte sich durch die Mixed-Zone. „RaMONSTER“ war nur ein Spaß auf Instagram – doch der Name klebt jetzt an seiner Haut wie ein Tattoo.
Die Saison ist noch lang, Stuttgart will die Champions-League-Ränze festnageln. Wenn Hendriks so weitermacht, wird er nicht nur unverzichtbar, sondern auch unverkäuflich. Und eines Tages steht vielleicht nicht Undav im Mittelpunkt, sondern der Mann, der hinten alles wegräumt. Dann ist aus dem No-Name endgültig ein Top-Name geworden – und der 700.000-Euro-Einkauf zur besten Investition des Jahreszehnts. Der VfB winkt viel Geld, wenn er ihn hält; die Konkurrenz wartet, wenn nicht. Aber bis dahin sprintet Hendriks einfach weiter – 35 km/h schnell, unbeirrbar, ein Monster im Dress der Schwaben.
