Athletic umbaut südtribüne: 400 m² mehr vip, 10 jahre unmut

San Mamés rüttelt. Athletic Club hat die Zugänge und Servicezonen der zentralen Südtribüne umgebaut, um 400 Quadratmeter zusätzliche Hospitality-Fläche zu schaffen – und verdonnert Dauerkarten-Inhaber der einstigen Tribüne Norte Baja für bis zu zehn Jahre in diese provisorische Anlage. Die Rechnung: mehr Umsatz pro Spiel, aber weniger Komfort für treue Socios. Der Klub spricht von „Ausgleich“, die Betroffenen von „Verdängung“.

400 M² mehr luxus, 10 jahre wartezeit

Die Maßnahme kam ohne Vorwarnung. Am 22. März schloss der Verein die alten Gänge, riss Trennwände heraus und sperrte Gemeinschaftsbereiche, die Jahrzehnte lang Treffpunkte waren. Wer früher auf Höhe Mittellinie saß, steigt nun über provisorische Laufstege ein und teilt sich Toiletten und Fressbuden mit Fans aus dem Unterrang. Die neue Logenfläche darüber ist mit Glas abgeschirmt, klimatisiert und pro Platz mehr als das Dreifache wert.

„Wir haben nichts gegen Investitionen, aber wir bezahlen die Zeche“, sagt Aitor Gómez, Sprecher der betroffenen Socios. Er zeigt auf die enge Wendeltreppe, die jetzt als einziger Rettungsweg gilt: „Bei vollem Haus dauert es fünf Minuten, bis man hier raus ist – viel zu lang, wenn etwas passiert.“ Der Verein kontert mit einem Brandschutzgutachten, das die Vorschriften „minimal“ erfülle.

Der preis der umbaumaßnahme

Der preis der umbaumaßnahme

Athletic rechnet offen mit dem Deal: Pro Spieltag fließen rund 180 000 Euro zusätzlich durch Hospitality-Gäste, die für Menü- und Getränkepakte zahlen, was reguläre Sitzplatzbesitzer nie taten. Auf die Saison hochgerechnet bedeutet das bei 25 Pflichtspielen fast 4,5 Millionen Euro frisches Einkommen – ein Sechstel der erwarteten TV-Prämie für die Europa-League-Teilnahme.

Doch der symbolische Schaden ist größer. Die Txapela, das traditionelle Fan-Treffen vor dem Spiel, fällt aus – dafür gibt es keine Fläche mehr. Kindermannschaften, die dort seit 2013 ihre Banner hissten, müssen ausweichen. „Das ist nicht nur ein Sitzplatz, das ist unsere soziale DNA“, sagt Gómez. Er kündigt an, die Beschwerde bis zur Mitgliederversammlung zu tragen – und notfalls juristisch gegen die Neugestaltung vorzugehen.

Was athletic dagegen hält

Was athletic dagegen hält

Die Presseabteilung des Klubs betont, „jeder Sitzplatz behalte die Service-Garantie gemäß UEFA-Richtlinie“. Tatsächlich stehen jetzt zwei zusätzliche rollstuhlgerechte Toiletten, ein Erste-Hilfe-Raum und drei neue Heißgetränke-Stationen. Doch die stehen außerhalb des Sichtfelds des Spielfelds – und sind damit für viele Fans reine Makulatur. „Ich will Bier und Blick, nicht Blick auf Bier“, scherzt ein aufgebrachter Anhänger, während er seine Dauerkarte für die Saison 2025/26 bereits zum Wiederverkauf anbietet.

Die Entscheidung liegt jetzt bei den 8 000 betroffenen Mitgliedern. Sollten 15 Prozent von ihnen innerhalb der nächsten 30 Tage ihre Kündigung einreichen, muss der Vorstand die Maßnahme in einer außerordentlichen Versammlung neu verhandeln. Die Frist läuft am 30. Juni ab – und die Uhr tickt laut.

Athletic spielt morgen gegen Real Sociedad. Die VIP-Logen sind ausverkauft, die Protest-Plakate bereits gedruckt. Wenn die Mannschaft aufläuft, werden die Kameras nicht nur das Spiel im Blick haben, sondern auch die leeren Reihen in Reihe 17 – ein leises, aber deutliches Memo an die Geschäftsführung: Stehtribüne ist Kulturgut, nicht Verhandlungsmasse.