Atalanta träumt vom bayern-coup: palladino schickt kämpfer-elf ins achtelfinale

Raffaele Palladino kann noch nicht fassen, dass sein Atalanta tatsächlich auf den FC Bayern trifft. „Ein lebendiger Traum“, sagt der Coach am Rande des Trainingsplatzes in Zingonia und grinst, als hätte ihm jemand den Spielplan verändert, um ihn persönlich zu beschenken. Am Donnerstag fliegt die Dea nach München, und die ganze Lombardei atmet tief durch: Endlich wieder Champions-League-Knockout, endlich wieder eine Marke, die den Herzschlag auf 180 bringt.

Bayern als prüfstein: „wollen uns keine grenzen setzen“

Palladino redet nicht um den heißen Brei herum. Er weiß, dass die Bayern in den Top-5-Ligen die meisten Tore geschossen und die höchste Ballbesitzquote haben. „Wir treffen die Besten, das ist kein Geheimnis. Aber wir haben uns diese Szene erarbeitet, mit Schweiß, mit Umschaltmomenten, mit einem Kollektiv, das keine Einzelgänger duldet.“ Seine Stimme wird härter, wenn er von „Mentalität und Persönlichkeit“ spricht – seine Lieblingsthemen seit dem Amtsantritt. „Wer hier spielt, hat sich das verdient. Ich verschenke keine Minuten.“

Die Verletztenliste liest sich wie ein Klassiker der Saison: Scalvini gesperrt, Ederson, De Ketelaere und Raspadori fehlen im retour match. Doch Palladino schlägt die Hände zusammen: „Unsere DNA heißt Anpassung. Ich will sehen, wer den nächsten Schritt wagt.“

Pasalic erinnert sich an den ersten tag: „dachte, es wäre nur ein leihgeschäft“

Pasalic erinnert sich an den ersten tag: „dachte, es wäre nur ein leihgeschäft“

Mario Pasalic sitzt daneben, 307 Einsätze für den Klub auf der Uhr. „Als ich vor acht Jahren landete, hatte ich zwei Koffer und keine Ahnung, dass Bergamo mein Zuhause wird.“ Er lacht, aber die Stimme bebt ein bisschen. „Diese Stadt lebt Atalanta. Die Leute erkennen dich im Supermarkt, fragen nach der Wade, nach der Taktik, nach dem Frühstück. Gegen Bayern? Wir haben nichts zu verlieren, deshalb werden wir mutig sein.“

Die Statistik? Pasalic wischt ab. „Bayern schießt im Schnitt 3,2 Tore pro Spiel. Wir kassieren selten mehr als eins. Irgendwann kollidieren diese Zahlen – und dann zählt nur, wer den Moment umarmt.“

Die atmosphäre in bergamo: stadt im ausnahmezustand

Die atmosphäre in bergamo: stadt im ausnahmezustand

In den Bars der Via Borghetto hängen bereits Spruchbänder: „La magia degli ottavi“. Die Curva Nord probt Choreografien, die an die Nacht gegen Valencia erinnern sollen, an jenen 4:1-Festakt vor der Pandemie. Die Polizei bereitet sich auf 3.000 Mitreisende vor, die Tickets sind restlos weg, und selbst die Nonnen vom Kloster Santa Grata tragen schwarz-blaue Schals. Die Erwartung ist messbar, fast schon greifbar.

Palladino spürt das. „Wir spielen nicht nur für Punkte, sondern für ein ganzes Territorium, das seit Jahrzehnten gegen die Großen kämpft.“ Er macht eine Pause, dann den Satz, der am Abed alle Schlagzeilen beherrschen wird: „Wenn wir scheitern, dann nur, weil wir uns selbst Grenzen gesetzt hätten – und das ist keine Option.“