Arsenal zerlegt brighton durch zeitspiel – hürzeler platzt der kragen
Fabian Hürzeler schlug mit der Faust auf das Mikrofon, und das war noch der sanfte Teil. Nach der 0:1-Heimpleite gegen Arsenal ließ der 32-Jährige die Maske fallen, die er sonst als Bundesliga-Import in der Premier League trägt. „Das ist kein Fußball“, brüllte er in die Kameras und schickte den Tabellenführer auf direktem Weg ins Regel-Nachspiel.
Die gunners lassen den ball laufen – nur eben nicht mit dem fuß
Mikael Artetas Mannschaft habe, so Hürzeler, die Kunst des Zeitspiels auf Industrieniveau perfektioniert
: Torschütze Kai Havertz warf sich nach seinem Kopfballtor in der 14. Minute dreimal dramatisch auf den Rasen, Keeper David Raya brauchte durchschnittlich 28 Sekunden für jedes Abstoßen – und Schiedsrichter Chris Kavanagh schaute zu. Die effektive Spielzeit schrumpfte laut Brighton-Analyse von 61 auf 49 Minuten. „Wenn das die neue Normalität ist, müssen wir die Regeln ändern, nicht die Trainer“, wetterte Hürzeler.Die Zahlen liefern Munition: Arsenal führt die Liga in Schwalben (87), verzögerten Einwürfen (112) und Eckverzögerungen (42). Die Folge: Gegner kommen selten in Tritt, die Gunners dagegen laufen die Uhr runter wie ein College-Basketball-Team. „Sie spielen die Liga, nicht das Spiel“, sagt ein Analyst des VAR-Zentrums, der anonym bleiben will.

Arteta feiert sich selbst – und schiebt kritik auf die neiddebatte
Arteta blieb cool, als man ihn mit Hürzelers Worten konfrontierte. „Was für eine Überraschung“, spottelte der Spanier, der seit 2020 Standards zur Chefsache erklärt hat. Seine Mannschaft trainiert Abläufe bis ins Detail: Wann der Ballkocher den Platz verzögert, wie oft Keeper Raya die Trikotnaht zieht, bis der Schiri pfeift. „Ich liebe meine Spieler und die Art, wie wir konkurrieren“, sagt er – und meint: Wir haben die Regeln gelesen, die anderen nicht.
Die Premier League prüft nun ein 30-Sekunden-Limit für Torabstöße und eine automatische gelbe Karte bei zweitem Vergehen. Doch die Reform kommt frühestens 2026/27. Bis dahin dürfte Arsenal die Meisterschaft bereits über die Zeitspiel-Spur gefahren haben. Die Gunners liegen vier Punkte vor Liverpool, haben ein Spiel weniger – und die Moral auf ihrer Seite.
Für Hürzeler bleibt der bittere Beigeschmack: Seine Seagulls dominierten 72 Prozent Ballbesitz, schossen 18 Mal aufs Tor – und verloren trotzdem. „Nur eine Mannschaft hat versucht, Fußball zu spielen“, sagt er und klingt dabei wie ein Trainer, der weiß, dass die Tabelle am Ende nicht nach Schönheit fragt, sondern nach Punkten. Arsenal hat davon jetzt schon 66. Der Rest der Liga schaut auf die Uhr – und verliert gegen die Zeit.
