Suhl verspielt satzbälle wie verrückt, schwerin kassiert rang zwei – und dresden?

37:35 im ersten Satz. Zehn Matchbälle liegen auf dem Tisch, der VfB Suhl trifft keinen einzigen. Sekunden später jubelt der SSC Palmberg Schwerin, klettert auf Rang zwei und lässt den frischen Pokalsieger blutend zurück. Die Niederlage schmeckt bitter, sie schmeckt nach verpasster Machtübernahme.

Die schuldfrage: angriff läuft, hirn nicht

Marta Levinska donnert wie ein Gummi geschlagene Bälle über das Netz, doch bei 34:34 schlägt sie die Linie knapp vorbei. Dann folgen acht weitere Satzbälle, alle verpuffen. Trainer Jan Lindenbaum wirft sich die starren Hände hoch, weil seine Spielerinnen plötzlich nur noch nach Schema F angreifen. „Wir haben verlernt, das Spiel zu lesen“, sagt er nach Abpfiff, und klingt erschöpft. Die Statistik liefert die Quittung: 18 Angriffsfehler im ersten Durchgang – ein Wert, der selbst in der Jugendliga für Stirnrunzeln sorgt.

Doch der Knoten zieht sich durch alle drei Sätze. Im zweiten Durchgang verlieren die Thüringer das Aufschlagspiel komplett, kassieren 13 Punkte in Serie. Die Annahme bricht ein, Levinska muss aus der Tiefe improvisieren, Schwerin blockt dreimal in Folge. Satz drei beginnt mit Kampf, doch bei 21:21 leistet sich Libera Elena Kömmling zwei verhängnisvolle Baggerbälle ins Aus. Die Mecklenburgerinnen nutzen die Gabe, Middle Blocker Esther Spöler verwandelt den Matchball mit einem schnellen Tempo-Angreifer. 3:0 – Schwerin jubelt, Suhl sammelt Trümmer.

Dresden macht hausaufgaben, erfurt patzt in borken

Dresden macht hausaufgaben, erfurt patzt in borken

Während in Schwerin die Nerven flattern, läuft im Osten alles glatt. Der Dresdner SC erledigt USC Münster mit 3:0 und sichert sich Heimrecht im Viertelfinale. Die Halle kocht, 2.681 Fans sehen 14 Saisonerfolg Nummer 14. Außenangreiferin Lisa Thomsen trifft 18 Mal ohne Fehlgriff, Zuspielerin Denise Imoudu variiert wie ein DJ zwischen Pipes und A-Bällen. Trainer Alexander Waibl spricht von „Kontrolle statt Krawall“ – und meint damit, dass seine Mannschaft das Aufschlagspiel dominiert und Münster auf 38 Prozent Annahmequote drückt.

Weiter westlich wartet Schwarz-Weiß Erfurt auf den Sprung nach vorn, doch Volley Borken baut die Hürde höher. Die Thüringerinnen verlieren 0:3, obwohl sie Satz eins und drei jeweils auf der Zielgeraden führen. 25:27, 17:25, 25:27 – die Zahlen schreien „so nah, so fern“. Außenangreiferin Lina Klassen donnert zweimal in Folge ins Netz, als Borken bei 24:24 den Kürzeren ziehen will. Die Folge: Erfurt bleibt auf Rang acht kleben, muss in die Play-offs als Außenseiter – und kann nur hoffen, dass Suhls Nervenkrieg nicht ansteckend wirkt.

Jetzt zählt nur eins: In zwei Wochen beginnt die Postseason. Schwerin reist mit Schwung, Dresden mit Selbstvertrauen, Suhl mit offenen Wunden. Und Erfurt? Die müssen erst mal wieder lernen, wie man Matchbälle verwandelt.