Arsenal kocht die premier league klein: standardsiege statt show

Fabian Hürzeler schrie Piero Hincapié an, bekam einen Finger auf den Mund – und ging leer aus. Die Szene ist Programm: Wer Arsenal schön finden will, verliert. Wer gewinnen will, lernt Mikel Artetas Zauberrezept: toter Ball, lebendiges Tor.

Die BBC nannte den 1:0-Sieg in Brighton „die Definition eines hässlichen Siegs“. Zwei Torschüsse, 40 % Ballbesitz, ein Pass gelangt beim Gegner. Die Zahlen klingen nach Pokal-Keller, nicht nach Spitzenreiter. Doch die Tabelle lügt nicht: sieben Punkte Vorsprung auf Manchester City, Champions-League-Achtelfinale am Mittwoch in Leverkusen, Pokal-Finalticket schon in der Tasche. Die Gunners jagen vier Titel auf einmal – mit einem Trick, den selbst Jürgen Klopp einst perfektionierte.

Der standard-coach ist der neue star

Der standard-coach ist der neue star

Nicolas Jover heißt der Mann, der aus Einwürfen Tore und aus Ecken Religion macht. 22 Treffer nach ruhenden Bällen in dieser Liga-Saison, 16 davon nach Ecken – beides Rekorde. Jover lässt seine Spieler vier Minuten 18 Sekunden pro Spiel am Eckfahne bauen, länger als jede andere Mannschaft. Die Gegner fluchen, die Fans jubeln. „Wenn wir nur noch mit Kopfball reinhauen, nehme ich das“, sagt Arsenal-Fan-TV-Chef Robbie Lyle. Für die Anhängerschaft zählt nur der Pokal, nicht das Make-up.

Und es wird noch hässlicher. Seit Dezember trainiert Thomas Grønnemark die Einwürfe – Ex-Liverpool, Ex-Midtjylland, Ex-Welt. 46 Tore nach langem Einwurf kocht der Däne gern vor. Bei Arsenal entwickelt er „Einwurf-Superpower“: Kapitän Declan Rice schleudert den Ball 35 Meter ins Strafraumzentrum, die Läufrouten blockieren Keeper und Verteidiger legal ab, der Kopfball sitzt. Was wie Rugby aussieht, ist Schach mit Muskeln.

Mikael Arteta spricht offen von „kontrollierter Effizienz“. Kritiker nennen es Anti-Fußball. Doch wer schön spielt, verliert schön – Arsenal gewinnt hässlich und zählt dabei. Die Gunners haben den besten Kader der Ära, die jüngste Startelf, die tiefste Bank. Wenn sie in den nächsten Wochen in Leverkusen und beim FA-Cup-Finale wieder nur eine Ecke brauchen, lacht keiner mehr. Dann steht Jover bald neben Arsène Wenger im Klub-Museum.

Der Titel ist längst keine Frage mehr des Stils, sondern der Zeit. Und die läuft für Arsenal. 22 Jahre nach dem letzten Meister-Coup haben die Gunners gelernt: Schönheit verblasst, Silber glänzt für immer.