Argentinien wankt: 2:1 gegen mauretanien weckt erste wm-sorgen
Die Bombonera bebte nicht vor Begeisterung, sondern vor Unmut. Weltmeister Argentinien rang die elftbeste Mannschaft Afrikas, Mauretanien, mit 2:1 nieder – und wirkte dabei wie ein Koloss auf tönernen Füßen. Die Albiceleste lieferte ab, was Mariano Dayan, Chefreporter von Olé, als „eines der schlechtesten Spiele seit Jahren“ bezeichnete.
Statt spanien nur mauretanien – und selbst das reichte kaum
Die Absage der Finalissima gegen Spanien zwang den Vizeweltmeister ins zweite Garn. Trainer Lionel Scaloni nahm die Gelegenheit zum Rotieren, doch die B-Elf wirkte wie ein C-Programm. Nur Nico Paz, 19-jähriger Real-Madrid-Juwel, schrammte mit einem Traumfreistoß die Latte der Erwartungen – 2:0 in der 75. Minute. Vorher hatte Julian Alvarez die Führung erzielt, danach kassierte Emiliano Martínez den Anschlusstreffer gegen den FIFA-Ranglisten-115.
Die Statistik hinter dem Erfolg: 63 Prozent Ballbesitz, aber nur drei Torschüsse aus dem Spiel heraus. Mauretanien kam durch Konter zu vier Großchancen. Martínez musste zweimal in letzter Sekunde retten, was ihn sichtlich aufbrachte. „Wir haben keine Intensität, keine Ordnung, kein Herz gezeigt“, sagte der Aston-Villa-Schlussmann. „Wenn wir dieses Trikot tragen, müssen wir besser sein. Punkt.“

Warntone aus buenos aires – die stimmung kippt schon vor zambia
Argentiniens Anhang ist gewohnt, dass selbst Testspiele in Showeinlagen umschlagen. Stattdessen pfiffen Teile der 46.000 Zuschler, als Mauretanien in der 88. Minute fast zum Ausgleich kam. Die sozialen Medien explodierten mit Hashtags wie #AlertaScaloni und #SinGanas, was so viel bedeutet wie „ohne Lust“.
Scaloni selbst sprach von „nötigem Umschalttraining“, kippte aber die Kritik auf das Unbekannte: „Wir kannten den Gegner nicht, seine Spieler wechseln ständig die Pässe.“ Dennoch: Wer den Weltmeister-Status beansprucht, darf sich nicht hinter mangelnder Videoanalyse verstecken. Die FIFA-Weltrangliste mag momentan noch gnädig sein, doch die nächste Probe folgt bereits am Dienstag gegen Sambia. Sollte es erneut rumpeln, wird die Sonne über dem Río de la Plata schnell hinter Wolken verschwinden.
Die Zahlen sind gnadenlos: Argentinien gewann nur eines der letzten fünf Freundschaftsspiele in regulärer Spielzeit. Dazu die Verletzungsliste mit Lisandro Martínez, Paulo Dybala und Leandro Paredes. Die Titelverteidigung in den USA rückt näher – und mit ihr die Frage, ob diese Mannschaft noch die Maschine von Katar ist oder schon deren Abklatsch. Die Antwort muss in der Bombonera stehen, nicht auf dem Papier.
