Arda güler trägt die türkei nach 24 jahren zurück zur wm
Die Türkei steht vor dem Sprung auf die WM-Bühne. Nach 24 Jahren. Nach zahllosen Pleiten. Ein einziger Pass von Arda Güler gegen Rumänien lässt ein ganzes Land wieder träumen – und zeigt, warum der 21-Jährige ausgerechnet im Kosovo den Unterschied machen muss.
Der traumpass, der alles veränderte
In der 88. Minute gegen Rumänien hob Güler den Kopf, sah die Lücke, die keiner sah, und schob den Ball mit dem linken Fuß wie auf dem Silbertablett in den Lauf von Ferdi Kadioglu. 1:0. Das Tor, das die Türkei ins Play-off-Finale schoss. Das Tor, das die Erinnerung an 2002 wach werden lässt – und die Sehnsucht nach 2026. Seit diesem Moment spricht ganz Türkei nur noch über ihn: Arda, das Genie, das endlich wieder eine WM erleben soll.
Dabei war es kein Zufall. Güler spielt bei Real Madrid nicht nur Nebenrolle, sondern lernt von Modrić und Kroos, wie man ein Spiel lenkt. Bei der Nationalelf übernimmt er genau diese Rolle: Zehner, Anspielstation, Dribbelkünstler. Vincenzo Montella baut das System um ihn herum auf. „Er ist unser Dirigent“, sagt der italienische Coach. „Und er wird lauter.“

Im kosovo wartet die letzte hürde
Dienstagabend, 20.45 Uhr, Pristina. Das Fadil-Vokrri-Stadion wird kochen. Der Kosovo hat nichts zu verlieren, die Türkei alles. Die Auslosung bescherte den Gästen ein machbares Los, doch machbar ist relativ, wenn 75.000 Fans die Luft zum Brennen bringen. Güler kennt die Druckwelle. Er spielt jeden zweiten Tag im Bernabéu. Aber dieses Mal trägt er nicht das Weiß von Real, sondern das Rot der Halbmondflagge – und damit die Last von 85 Millionen Menschen.
Die Statistik spricht für die Türkei: vier Siege in den letzten fünf Spielen, kein Gegentor seit 227 Minuten. Doch Zahlen interessieren Güler nicht. „Wir müssen mutig sein, so wie gegen Rumänien“, sagt er. „Mutig und geduldig.“ Genau das, was seine Vorlage auszeichnete: keine Hektik, nur Klarheit.

Ein land wartet auf seinen jungen helden
Die letzte WM-Teilnahme datiert aus dem Sommer 2002, als ein gewisser Ilhan Mansiz im Viertelfinale gegen Senegal das Tor des Jahrhunderts schoss. Damals wurde die Türkei Dritter. Seitdem folgten fünf verpasste Turniere in Serie. Generationen wuchsen ohne WM-Fieber heran. Bis jetzt.
Arda Güler wurde 2005 geboren, drei Jahre nach Korea/Japan. Er trägt keine Erinnerung an jenes Sommermärchen, aber die Erzählungen seiner Eltern. „Jeder erzählt dir, wo er war, als Rüstü Reçber den Elfmeter hielt“, sagt er. „Ich will, dass meine Generation bald ihren eigenen Moment bekommt.“
Sollte der Plan aufgehen, wartet in der Gruppenphase mit den USA, Australien und Paraguay ein machbares Los. Die Türkei wäre Topf-3-Team, könnte sogar das Achtelfinale anpeilen. Doch zuerst muss das kleine Kosovo überwunden werden. Und genau dort, zwischen feuchtem Rasen und lodernden Fackeln, wird sich zeigen, ob Arda Güler wirklich zu jenem Genie reift, das ein ganzes Land wieder vereint.
Die Uhr tickt. 90 Minuten trennen die Türkei von der WM. 90 Minuten, in denen ein 21-Jähriger aus Ankara die Geschichte seines Landes neuschreiben kann. Oder eben auch nicht.
