Aprilia zerquetscht ducati in assen: bezzecchi hält das käfigspiel offen

Eine Aprili­a-Startaufstellung wie aus dem Bilderbuch – und dann doch nur Platz fünf für Jorge Martin. Mit vier Aprilia-Motorrädern in den ersten vier Startpositionen flirrte die Kategorie MotoGP am Samstag in Assen über die Schwarte. Doch die Kurz-Sprint-Entscheidung von 13 Runden am späten Nachmittag stellte alles wieder auf den Kopf: Raul Fernández jagte seine Trackhouse-Aprilia zum zweiten Saisonsieg, während Weltmeister Marc Márquez auf seiner Ducati nur Sechster wurde. Der Sonntag verspricht einen offenen Kampf um den Thron.

Die aprilia-hymne wird leiser

Es begann wie ein Aprilia-Appell: Martin sicherte sich die Pole-Position – die erste für die Noale-Fabrik seit 18 Monaten. Neben ihm reihten sich Ogura, Bezzecchi und Fernández in die erste Startreihe. Ein Poker, der die Konkurrenz schon vor dem Warm-up lahmgelegt hatte. Doch 20 Minuten später zeigte sich: Reifen-Management schlägt Startplatz. Fernández verwandelte den vierten Startplatz in Gold; Martin musste sich nach einem schwächeren Start mit Rang fünf begnügen.

Bezzecchi, der sich vor dem Wochenende 13 Punkte Vorsprung erarbeitet hatte, biss sich an Ogura und Fernández die Zähne aus und landete auf Platz vier. Der Italiener behält zwar die WM-Führung, doch die Lücke zu Martin schrumpft auf nur noch neun Punkte. Di Giannantonio schob sich im letzten Sektor noch an Bagnaia vorbei, holte als Dritter das beste Ducati-Ergebnis des Tages – und verkündete post-race: Ich kämpfe um den Titel. Mein ganzes Leben lang arbeite ich dafür.

Die ducati-armada verheddert sich im sand

Die ducati-armada verheddert sich im sand

Wer die Daten kennt, wundert sich nicht: Welttitelverteidiger Marc Márquez startete von Position sieben, wurde in der Sprint-Wertung nur Sechster und büßte weitere Punkte ein. Bagnaia, nach einer Grid-Penalty sogar nur Achter, wirkte wie ein Fremdkörper im eigenen Revier. Die GP26 scheint auf dem schnellen, aber kurvenreichen Kurs von Assen ihre Tücken zu haben. Zu hohe Reifentemperaturen, zu spätes Anbremsen in die Haarspitzkehre – kleine Fehler mit großer Wirkung.

KTM und Yamaha bleiben Außenseiter. Pedro Acosta rutschte im S-Kurvenkomplex weg und verlor neun Positionen, während Bastianini als bester KTM-Pilot nur acht wurde. Quartararo rangiert auf dem zehnten Platz – ein Alarmsignal für die Japaner-Fabrik, die seit Jahren an der Spitze vorbeizieht wie ein Geist.

Jetzt wird die kasse gemacht

Jetzt wird die kasse gemacht

Am Sonntag rollen 26 Runden. Die Prognose: strahlend blauer Himmel und Asphalttemperaturen jenseits der 45 Grad. Vor der MotoGP geben sich die Moto3-Kids David Alonso und Maximo Quiles die Ehre – beide starten von der Pole. Danach folgen die Moto2 und als Sahnehäubchen die Harley-Davidson Baggers, die über neun Runden die Tribünen zum Toben bringen.

Sky überträgt live ab 14:00 Uhr, TV8 zeigt die Highlights ab 16:00 Uhr. 4.555 Meter Strecke, 18 Kurven, zwei Long-Straights – und ein WM-Kampf, der so eng ist wie selten. Bezzecchi hat 9 Punkte Vorsprung, Martin schnuppert ihm schon in den Nacken. Wer in Assen gewinnt, spielt im Sommer mit offenen Karten. Wer verliert, muss im Katalonien-Wochenende den Turbo zünden. Die Saison ist jung, die Reifen heiß – und die Spannung grenzenlos.