Antonelli zerstört 17-jährigen fluch: italiens jüngster pole-allzeit
Shanghai – 19 Jahre, 4 Monate, 12 Tage. Andrea Kimi Antonelli schreibt Geschichte, bevor andere ihren ersten Schaltvorgang hinbekommen. Mit 1:32,456 Minuten jagt der Bologneser die Mercedes W15 auf Pole-Position beim China-GP – und spült damit einen Dammbruch in die Boxengasse, den Italien seit 17 Jahren ersehnt.
Das letzte mal war fisichella, heute ist es kimi
17 Jahre, 243 Tage. So lange hat der Stiefel keinen Fahrer mehr ganz vorne gesehen. Giancarlo Fisichella sicherte sich 2009 in Spa die letzte italienische Pole – mit einem Renault, der noch KERS-Kinderschuhe trug. Antonelli war damals vier Jahre alt und fuhr mit Pedal-Go-Karts durch die Garagen seines Heimatvereins. Jetzt steht er dort, wo sonst nur Verstappen, Hamilton & Co. parken: ganz vorn.
Die Zahl, die alle sprachlos macht: 0,081 Sekunden. So viel fehlte Weltmeister Verstappen auf seine eigene Bestmarke. „Ich hab nur Gas gegeben, mehr nicht“, sagt Antonelli mit zitternder Stimme und klingt dabei, als hätte er gerade seinen Führerschein gemacht – nicht die Königsklasse erobert.

Die italienische pole-historie in 15 namen
Von Ascari 1951 bis Trulli 2005 – 15 Mal hat ein italienischer Fahrer die Formel 1 von der Spitze dominiert. Die Liste liest sich wie ein Who-is-Who der Tragödie und des Glamours: Alberto Ascari setzte die erste Duftmarke, Riccardo Patrese lieferte 1982 das Kunststück in Monaco, Jarno Trulli bremste 2005 in Indianapolis die Ferrari-Party aus. Doch seitdem: Stille. Bis heute.
Teamchef Toto Wolff wischt sich nach der Qualifying-Pressekonferenz demonstrativ über die Augen. „Wir haben ihm heute Morgen gesagt: Tu einfach das, was du im Simulator machst. Er hat’s umgesetzt – und uns alle erblasst.“
Die Mechaniker feiern schon, aber Antonelli bleibt kühl. „Pole ist Samstag. Sieg ist Sonntag. Und der hat 56 Runden, nicht eine.“ Es klingt wie ein Versprechen – und wie eine Warnung an die Konkurrenz.
Morgen um 14:00 Uhr Ortszeit rollt das Feld los. Dann zeigt sich, ob der Fluch wirklich gebrochen ist – oder ob Italien nur eine Nacht lang geträumt hat.
