Antonelli nach china-sieg: sinner-whatsapp war der hammer, ferrari-zoff ist mir egal

19 Jahre, erster Sieg, keine Zeit zum Feiern: Andrea Kimi Antonelli flog zwei Tage nach seinem China-Coup schon wieder nach England, um mit Mercedes Suzuka vorzubereiten. „Ich will sofort nachlegen“, sagt er und klingt dabei, als hätte er gerade nur ein Freundschaftsspiel gewonnen.

Die Stimme des Bolognesen klingt rauer als sonst, das Lächeln sitzt eine Spur fester. In Suzuka, der „alten Schule“ unter den Kursen, will er beweisen, dass Shanghai kein Zufall war. „Plötzlich bin ich Titelfavorit, aber ich spüre keinen Druck – nur Hunger.“

Die whatsapp, die ihn aus dem konzept brachte

Erst eine Nachricht ließ ihn kurz innehalten: Jannik Sinner schickte ein Foto vom Indian-Wells-Pokal mit der Widmung „Für Kimi“. „Der hat gerade ein Masters gewonnen und denkt an mich? Absoluter Wahnsinn“, erzählt Antonelli und schlägt sich lachend auf den Oberschenkel. Auch sonst flatterten ihm Grüße von Hamilton, Norris und Verstappen ins Handy – „aber Janniks Text war der Killer“.

Die italienische Medienlandschaft spaltet sich derweil in zwei Lager: die eine Hälfte feiert den neuen Stern, die andere klammert sich an die Ferrari-Kaiserlichkeit. Antonelli zuckt mit den Schultern: „Ich kann nicht jeden glücklich machen. Schlimmer war der Shitstorm nach Katar, da wurde ich als Verräter beschimpft. Jetzt habe ich gelernt: Likes sind Bonus, Hass ist Geschäft.“

Russell wird zum lehrmeister

Russell wird zum lehrmeister

Intern hat sich die Dynamik zu Teamkollege George Russell leicht verschoben. „Er redet mehr über mich als früher“, grinst Antonelli. „Aber im Engineering-Briefing sind wir weiterhin ein Team.“ Der 19-Jährige studiert Russell wie ein Lehrbuch: „Er tritt nie vorzeitig ans Gas, spielt sein Setup erst in Q3 voll aus. Ich klau ihm jede Datenkurve, die geht.“

Mercedes steht wegen Frontflügel-Tricks erneut im Fokus der Konkurrenz. Antonelli schmunzelt: „Unser ‚Vorteil war ein Bug – die Klappe hat sich zu langsam geschlossen, wir verloren in jeder Schikane Zeit. Wenn die Gegner glauben, dass sie uns jetzt besser verstehen, sollen sie ruhig weiterforschen.“

Die FIA-Quali-Regel mit Lift-and-Coast-Verbot kommt für ihn zur rechten Zeit. „Suzuka ist ohnehin ein Männer-Track: wer hier zögert, fliegt raus. Ich will meine erste Pole – und danach endlich ein Bier mit meinen Mechanikern, versprochen.“