Anna-lena forster schreibt gold-geschichte – und schon jagt sie den nächsten hattrick

Gold Nummer zwei ist gelandet, und noch klingt das Klappern der Stangen im Ohr. Anna-Lena Forster hat den Riesenslalom in Cortina komplett dominiert, nach 2:30,64 Minuten lag sie 1,28 Sekunden vor der bisher unantastbaren Momoka Muraoka. Die Japanerin musste sich erstmals seit Peking mit Silber zufriedengeben – und Forster feierte ihren sechsten Paralympics-Sieg, den ersten im Riesenslalom.

Die fahrerin, die den zeitplan verändern kann

Andere Athleten reden von Rausch, Forster nennt es „Arbeit“. Sie startete mit Startnummer eins, legte im obersten Streckenabschnitt schon 0,6 Sekunden vor, und als ihre Trainer in der Zwischenzeit die Daumen drückten, wussten sie: Wer Forster einmal aus den Augen verliert, verliert die Medaille. Die 30-Jährige fuhr wie auf Schienen, während Audrey Pascual Seco – Super-G-Gold, Kombi-Gold – mit spektakulärem Sturz ausschied. Ein Bild für die Geschichtsbücher: Forster im Ziel, Muraoka mit gesenktem Blick, Liu Sitong jubelnd über Bronze, obwohl sie fast vier Sekunden hinten liegt.

Die Bilanz des Deutschen Behindertensport-Verbands: zwölf Medaillen, allein Forster trägt drei davon – zwei Mal Gold, einmal Silber. Andrea Rothfuss blieb in der Stehenden-Klasse erneut ohne Podest, 0,69 Sekunden fehlten zur Bronzefahrerin Ebba Arsjö, die mittlerweile drei Mal Gold in Cortina eingesackt hat. Anna-Maria Rieder wurde Siebte, Maya Fügenschuh mit Guide Johanna Holzmann Zehnte – 36,45 Sekunden hinter der souveränen Österreicherin Veronika Aigner.

Slalom kommt – forsters revier

Slalom kommt – forsters revier

Samstag, 9 Uhr, Slalom. Die Disziplin, in der Forster bereits in Pyeongchang 2018 und Peking 2022 triumphierte. Sie selbst sagt: „Ich fahre nicht gegen die anderen, ich fahre gegen die Strecke.“ Und die Strecke kennt sie in Cortina inzwischen besser als ihre Heimat in Bad Wurzach. Wer ihr zuhört, merkt: Sie spricht nicht vom Hattrick, sie spricht vom nächsten Kilo Gold, das sie an die Fahne heften will. Der Deutsche Skiverband hat schon jetzt intern den Begriff „Forster-Freitag“ geprägt – weil ihre Läufe Termine werden, an denen sich selbst die Physiotherapeuten den Wecker stellen.

Die Konkurrenz schaut nicht mehr auf die Uhr, sie schaut auf Forster. Und Forster schaut auf die Tore. 55 Stunden bis zum Slalom-Start. Sie wird nicht schlafen, sie wird spuren. Dreimal Gold bei drei Spielen – das wäre ein Kunststück, das selbst der launische Cortina-Föhn nicht verhindern kann.