Ángel pérez schreibt märchen: vom anonymus zum alavés-könig in 100 tagen

Als Ángel Pérez vor sieben Monaten das erste Mal durch Vitoria fuhr, winkten ihm nur die Ampeln. Jetzt grüßen ihn Busfahrer, Bäcker und Rentner mit Vornamen. Der 24-jährige Flügelspieler ist zum Maskottchen von Mendizorroza mutiert – und das, obwohl er im Sommer noch als Notlösung galt, nachdem Carlos Vicente sich für 500.000 Euro Richtung Valladolid verabschiedete.

Quique sánchez flores dreht an der stellschraube – und pérez wird zum zahnrad

Seit der Coach Anfang November das Zepter übernahm, hat Pérez 1.237 von 1.350 möglichen Minuten gespielt. Die Zahlen lügen nicht: Mit ihm auf dem Platz holt Alavés 1,89 Punkte pro Spiel, ohne ihn nur 0,9. „Er rennt nicht, er fliegt“, sagt Co-Trainer Nieto im Katakomben-Gang. Die Statistik ergänzt: 28 erfolgreiche Dribblings, 13 Vorlagen, zwei Tore – alles in 13 Partien.

Der Trick? Pérez spielt nicht mehr nur klassisch außen. Er rückt ins halbe Zentrum, zieht den Gegner aus der Formation und schlägt dann die entscheidende Lücke. „Ich habe mir angewöhnt, erst nach dem dritten Kontakt zu schauen, wo der Ball hinmuss“, erklärt er zwischen zwei Interview-Terminen. Die Ruhe ist kein Zufall: Jeden Morgen absolviert er 20 Minuten Meditations-Übungen, die ihm sein Psychologe aus Zaragoza per App schickt.

Der traum ist noch nicht einmal zur hälfte erfüllt

Der traum ist noch nicht einmal zur hälfte erfüllt

Am Sonntag wartet die Real Sociedad im Basken-Derby. Pérez’ Augen verengen sich, als er die Frage nach dem Favoriten hört. „Sie wissen, dass sie zu Hause stark sind. Wir wissen, wo wir unsere Köpfe haben.“ Der Satz klingt wie ein Zitat aus einem Clint-Eastwood-Film. Tatsächlich hat er sich den Spruch mit Stift an die Innenseite seines Schuhs gekritzelt: „Cabeza, corazón, cojones.“

Die Umkleidekabine schwört auf ihn. Kapitän Laguardia erzählt, wie Pérez nach dem 0:2 in Vigo noch einmal jeden Einzelnen anschrie: „Wir sind nicht hier, um Touristen zu spielen.“ Fünf Minuten später lag der Ball im Netz, am Ende stand ein 2:2. Resilienz nennen das die Analysten, im Campo de Mendizorroza sagen sie einfach: „Ángel-Effekt.“

Er schläft noch immer im Hotel „Gasteiz“ an der Avenida Gasteiz, weil er keine Wohnung findet, die nicht von Fans belagert wird. „Ich nehme alles mit, was ich kriegen kann“, lacht er. Dabei hat er längst ein Angebot aus der Bundesliga in der Tasche – 3,5 Millionen Euro Ablöse, vier Jahre Vertrag. Er lehnte ab. „Erst will ich mit Alavés in die Europa League. Dann sehen wir weiter.“

Die Uhr im Stadion zeigt 23:47, als er das Interview beendet. Draußen warten 40 Kinder mit Trikots. Pérez unterschreibt jedes, ohne zu zögern. Einer der Jungs fragt: „Wirst du bleiben?“ Er antwortet auf Baskisch: „Ilusioa handiagoa da beldurra baino.“ Die Hoffnung ist größer als die Angst. Dann verschwindet er im Spielertunnel. Der Nächste, der hier mit 0,7 Punkte-Schnitt auftaucht, wird warten müssen.