Ángel pérez: vom nobody zum liebling von mendizorroza
Vor sechs Monaten kannte ihn in Vitoria keine Sau. Heute trägt Ángel Pérez das Trikot des Alavés wie ein zweites Hautgewebe und liefert die Antwort auf die Frage, was passiert, wenn Timing, Mut und ein Trainerwechsel zusammenfallen.
Die flanke, die alles änderte
Als Carlos Vicente den Klub verließ, schrie die linke Seite nach einem neuen Gesicht. Die sportliche Leitung griff zu, holte einen 23-Jährigen aus Zaragoza, der in der Primera Federación zwar auffiel, aber noch kein Hausname war. Seitdem hat Pérez neun Punkte direkt mit Torbeteiligung eingefahren, gegen Osasuna den Foulelfmeter provoziert und gegen Valencia die Vorlage zum Sieg serviert. Die Statistik? Drettelspielzeit, zwei Assists, 26 eroberte Bälle im gegnerischen Drittel – mehr braucht es nicht, um ein Stadion hinter sich zu vereinen.
Die Wende kam mit Quique Sánchez Flores. „Er hat uns sofort klar gemacht, dass wir nicht mehr warten, sondern attackieren“, sagt Pérez im Mixed-Zone-Gewusel. „Plötzlich laufe ich nicht mehr nur meine Außenbahn, sondern habe den Carrilero im Rücken, der mich absichert. Das gibt mir die Freiheit, früh in die Box zu fliegen.“ Die Zahlen bestätigen es: Seit dem Trainerwechsel gewinnt der Flügelspieler 63 % seiner Duelle nach außen – vorher waren es 42 %.

Der traum, der keiner bleiben darf
Pérez redet leise, fast schüchtern, aber die Worte haben Kante. „Ich nehme alles mit wie ein Schwamm, aber ich bin noch lange nicht angekommen. Ich habe noch einen Gang mehr.“ Dabei klingt seine Stimme nicht nach Standard-Phrase, sondern nach jemandem, der weiß, dass die LaLiga keine Geduld mit Einmal-Erfolgen hat. Der Unterschied zwischen erster und zweiter spanischer Spielklasse? „Der Ball ruht nie. Selbst die Innenverteidiger laufen 11 Kilometer, nur dass sie dabei noch jede Flanke blocken.“
Am Sonntag wartet das Basken-Derby gegen Real Sociedad. Pérez lächelt, als wäre es ein Kindergeburtstag. „Alle Spiele zählen drei Punkte, aber die braucht man, um zu zeigen, wofür man trainiert.“ Dann wird er konkret: „Wir haben Kike García und Samu Omorodion in der Box. Wenn ich zwei Mal an den ersten Pfosten bringe, weiß ich, dass einer die Kugel reinhaut. Meine Aufgabe ist es, die Linie sauber zu laufen, den Gegner zu binden und die Flanke zu setzen, bevor der Cucumber kommt.“
Die Resilienz des Teams lobt er nicht als leeres Schlagwort. „Wir kassieren einen Elfmeter in der 88. Minute – und gewinnen trotzdem. Das verrät Charakter, aber Charakter reicht nicht, um die Saison zu überstehen. Wir brauchen Punkte, und die holen wir uns gerade selbst.“
Beim Verlassen des Interviews dreht er sich noch einmal um. „Vor einem Jahr habe ich in der dritten Liga gespielt. Heute jage ich Takefusa Kubo über den ganzen Platz. Das ist kein Märchen, das ist der Lohn dafür, dass ich nie aufgehört habe, an mich zu glauben.“ Dann huscht er durch die Tür, Richtung Kabine. Der Junge, der vor wenigen Monanten ein Programmhinweis war, ist längst die Headline. Und er hat noch ein paar Kapitel offen.
