America’s cup 2027: pedale weg, akku rein – drei italienische powerhouses starten durch
Die 38. America’s Cup wird ohne Cyclor auskommen. Stattdessen speisen ab 2027 in Neapel leise Hochleistungs-Batterien die Hydraulik der AC75. Für Romano Battisti, Bruno Rosetti und Paolo Simion bedeutet das kein Aus, sondern eine neue Mission – jenseits der Pedale, aber mitten im Herzschlag von Luna Rossa.
Von der manufaktur aufs dock: battisti verwaltet das rigg
Der Riemensportler von Sabaudia, Silber in London 2012, baute die vergangenen beiden Kampagnen als Grinder und Cyclor Muskeln auf. Jetzt packt er Tampen, Wanten und Shrouds. „Ich montiere und kontrolliere das komplette Werkzeug, jedes Mal, wenn das Boot zerlegt und wieder auf Kiel gelegt wird“, sagt Battisti. Seine Finger kennen jede Faserschicht, sein Auge misst Millimeter-Toleranzen – ein Schachzug, denn Gewicht spart hier Sekunden.
Das Regelwerk erlaubt keine menschlichen Generatoren mehr. Die Lösung: Lithium-Zellen, 800 Volt, 30 Kilogramm Leergewicht. Die Ingenieure sprechen von „virtuellem Crewmember“. Die Konkurrenz schielt gen Cagliari, wo Luna Rossa bereits mit AC40-Prototypen testet – ohne Cyclor, aber mit Battistis Handwerk an Bord.

Rosetti und simion: vom podium ins maschinenhaus
Bruno Rosetti, Bronze von Tokio 2021 und ehemals Covid-Zuschauer in einem Quarantänehotel, verlässt das Spielfeld nicht. Der Routinier aus Ravenna kümmert sich um die Support-Fleet: Tenders, Chase-Boote, Krananlagen. „Wir jonglieren mit acht Begleitbooten, jedes Gramm Ausrüstung muss passen“, erklärt er. Seine zweite Karriere begann auf einer kasachischen Ölplattform – heute schraubt er an Carbon-Rumpfen.
Paolo Simion wechselt vom Giro-Etape-Sieger 2018 zum Hydraulik-Spezialisten. Der 33-jährige Veneto kennt Druck von 700 Bar aus der Rad-Szene, nun steuert er Ölkreisläufe, die die Flügeltrimmschoten der AC75 verschieben. „Das Pedalieren war gut fürs Herz-Kreislauf-System, aber hier zählt Präzision auf Mikrosekunden“, sagt Simion. Seine Werkstatt duftet nach Bremsenflüssigkeit und Salzwasser.

Ein team von 150, kein platz für nostalgie
Luna Rossa hat die Umbauphase genutzt, um Expertise zu konservieren. Auch Emanuele Liuzzi, WM-Bronze 2017 im Achter, bleibt an Land – und wird 2027 Zuschauer in seiner Heimatstadt Neapel. Für die Italiener zählt nur ein Ziel: den Pokal endlich nach 173 Jahren zurück nach Europa zu holen. Die Batterien sind geladen, die Muskeln arbeiten im Verborgenen. Und die Jungs von einst? Sie schwitzen weiter – nur eben nicht mehr auf dem Rad, sondern zwischen Carbon, Kabeln und Computerchips. Die Cup-Geschichte schreibt das nächste Kapitel, lautlos, aber umso schneller.
