Álvaro aguado bricht sein schweigen: „mein leben steht still“

Álvaro Aguado hat die Stille gebrochen. Nach über einem Jahr, in dem die Staatsanwaltschaft neun Jahre Haft für eine angebliche sexuelle Übergriffstat während des Espanyol-Aufstiegsfestes fordert, legt der mittlerweile vereinslose Mittelfeldspieler ein Video vor – und revidiert die öffentliche Wahrnehmung mit Vehemenz.

Der 30-Jährige veröffentlichte die Botschaft am späten Montagabend. Er spricht direkt in die Kamera, ohne Filter, ohne PR-Berater. „Seit einem Jahr ist mein Leben stehen geblieben“, sagt er mit belegter Stimme. „Ich durfte meinen Beruf nicht ausüben, weil eine schwere Anschuldigung alles überlagert.“

Was laut aguado im verfahren steht – und was nicht rauskam

Der Andalusier wirft Medien und sozialen Netzwerken vor, nur die Hälfte der Geschichte erzählt zu haben. Er verweist auf gerichtliche Protokolle, die seiner Aussage nach „keine einzige körperliche Verletzung“ belegen. Es gebe Zeugenaussagen, die der Version der Beschuldigten widersprächen, sowie „unlösbare Lücken“ in deren Schilderung. Die Angaben seien „inkonsistent und teilweise widersprüchlich“, sagt Aguado – ohne Details zu nennen, weil das Verfahren noch läuft.

Die Tat soll sich in der Nacht zum 24. Juni 2024 in Barcelonas Szene-Club Opium ereignet haben, nur Stunden nachdem Espanyol den Aufstieg in die Primera División perfekt gemacht hatte. Aguado war damals noch Vertragsspieler des Klubs, sein Kontrakt endete am 30. Juni 2024 – seitdem hat er kein neues Team gefunden.

„Falsch beschuldigt“ – der appell an die öffentlichkeit

„Falsch beschuldigt“ – der appell an die öffentlichkeit

Im Video distanziert sich Aguado klar von jeglicher Gewalt: „Wer angreift, muss dafür geradestehen. Aber wer bewusst lügt, ebenfalls.“ Er betont, dass Falschbeschuldigungen die echte Betroffenen sexueller Gewalt diskreditieren. „Sie schaden dem legitimen Kampf derer, die tatsächlich Schutz brauchen.“

Die emotionalste Passage richtet sich an jene, die ihn online verurteilt haben: „Ich wünsche niemandem, was ich durchmache – nicht einmal meinen schärfsten Kritikern.“ Er beschreibt ein Gemisch aus „Angst, Scham, Wut und Ohnmacht“, das ihn seit Monaten begleite. „Jeder Tag ist ein Kampf gegen das Gefühl, das eigene Leben nicht mehr in der Hand zu haben.“

Das Gerichtsverfahren ist noch nicht terminiert. Aguado fordert ein zügiges Verfahren: „Dort wird die Wahrheit sichtbar. Und dann wird sich zeigen, wer hier wirklich Opfer ist.“

Die liga reagiert – stellenwert für den profifußball

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Für den spanischen Fußball ist der Fall brisant. Aguado gilt als Symbolfigur für die Frage, wie mit noch nicht rechtskräftig verurteilten Spielern umgegangen wird. Kein Erst- oder Zweitligist wagt bislang, ihn zu verpflichten – ob aus Imagesorge oder auf Anraten der Rechtsabteilungen, bleibt offen. Der Druck auf die Klubbosse ist hoch, denn Sponsoren reagieren empfindlich auf rechtliche Schlagzeilen.

Aguados Anwalt José María Robles kündigte an, man werde „jede juristische Möglichkeit nutzen“, um den Ruf seines Mandanten zu rehabilitieren. Sollte der Prozess zu einem Freispruch führen, stünde Aguado theoretisch sofort wieder auf dem Transfermarkt – doch die Karrierepause von zwölf Monaten dürfte Gehaltsforderungen und Marktwert empfindlich drücken.

Bis dahin bleibt dem Spieler nur Warten – und die Hoffnung, dass das Gericht seine Unschuld bestätigt. „Jeder Tag, der vergeht, bringt mich dem Moment näher, an dem ich wieder ganz Mensch werden kann“, schließt er das Video. Dann steigt die Kamera aus, Aguado blickt in die Leere. Die nächste Szene findet vor Gericht statt – und die wird über seine Zukunft entscheiden.