Alcaraz zerquetscht vacherot und jagt sinner: jetzt droht der thronwechsel

Carlos Alcaraz hat in Monte Carlo nur 85 Minuten gebraucht, um Valentin Vacherots Traum von einem Heim-Märchen zu ersticken. 6:4, 6:4 lautet die nüchterne Zahl, doch das Scoreline erzählt nichts vom donnernden Aufschlag, von den Sprint-Volleys am Netz, von der Uhr, die für den Monegassen ab 4:4 im ersten Satz stillstand. Jetzt wartet Jannik Sinner – und mit ihm die reinste High-Noon-Szene: Wer am Sonntag gewinnt, erobert am Montag die Weltrangliste.

Der matchplan ging auf, bis auf drei minuten

Alcaraz brach Vacherot in Satz eins beim zweiten Angriffsversuch, schraubte das Tempo auf 190 km/h und ließ den Ball so flach springen, dass der 28-jährige Lokalheld nur noch halbieren konnte. Das Stadion schwieg, die Schiedsrichterin hob die Faust – Break. Alles schien gelaufen. Doch da war diese Phase Mitte des zweiten Satzes, als Alcaraz plötzlich mit dem Schatten seiner eigenen Fußarbeit kämpfte. Ein Doppelfehler, ein zu langer Slice, schon stand es 3:3. Vacherot roch Blut, die Crowd erwachte. Doch der Spanier schaltete wieder in den Modus, den seine Box "modo toro" nennt: erst ein Passierball auf dem Zentimeter, dann ein Lob, der wie ein Komma über der Grundlinie landete. Break zum 5:4, anschließend ein Love-Game. Satz und Match.

Die Statistik lügt nicht: 24 Winner, 12 unerzwungene Fehler, 71 % erste Aufschläge. Alcaraz verwandelte drei von vier Breakbällen – eine Effizienz, die selbst Novak Djokovic in seinen besten Jahren selten erreichte.

Sinner wirft zverev aus dem turnier und aus den schulden

Sinner wirft zverev aus dem turnier und aus den schulden

War das Halbfinale eins schon eine Machtdemonstration? Sinner ließ Alexander Zverev 6:1, 6:4 alt aussehen, servierte fünf Asse in Serie und returnierte so tief, dass Zverevs 1,98 m-Körper sich wie ein zusammengeklappter Regenschirm bewegte. Der Südtiroler spielte sein erstes Monte-Carlo-Match nach der Sperre – und wirkt, als wolle er die verlorenen Tage mit Zinsen zurückzahlen. Kein Ball weit, kein Zweifel laut. Nach 72 Minuten schüttelte Zverev die Hand, ohne ein Wort. Sinner hatte 86 % der ersten Aufschläge drin und gewann 94 % der Punkte damit. Das ist keine Form, das ist ein Statement.

Ranglistenerz: 13590 punkte, null spielraum

Ranglistenerz: 13590 punkte, null spielraum

Alcaraz steht als Titelverteidiger mit leeren Händen da – punktegenau gesprochen. Selbst wenn er morgen gewinnt, bleibt er bei 13 590 Zählern. Sinner hingegen kann mit dem Sieg 15 045 Punkte sammeln und die Spitze übernehmen. Die ATP rechnet vor: Ein Dreisatzsieg des Italieners genügt, um den jüngsten spanischen Weltranglistenersten nach 49 Wochen wieder zu verdrängen. Alcaraz weiß das. „Ich muss gewinnen, sonst werde ich morgen Nacht Nummer zwei“, sagte er mit dem Lächeln eines Mannes, der schon zweimal die Sonne der Tenniswelt umarmt hat. „Aber genau das macht den Sport lebendig.“

Valentin Vacherot kann trotz der Niederlage lachen: Er springt auf Rang 17, sechs Plätze nach vorn – das beste Ranking eines monegassischen Spielers seit 1973. Die Principality feiert ihn trotzdem, doch die Hauptshow steigt ohne ihn.

Morgen um 15:00 Uhr wird das Centre Court zum Ring. Alcaraz gegen Sinner, das neue Federer-Nadal, nur schneller, lauter, rücksichtsloser. Ein Finale, das vor dem ersten Aufschlag schon Geschichte schreibt. Der Thron ist frei – und beide wollen ihn mit dem Fuß auf der weißen Linie erobern.