Aktürkoglu schießt türkei nach 24 jahren zurück auf die wm-bühne
Pristina bebte, doch am Ende jubelte ganz Anatolien. Kerem Aktürkoglu schob den Ball in der 57. Minute über die torlose Linie und beendete mit diesem simplen Akt eine vierteljahrhundertlange Leidensgeschichte. Die Türkei steht wieder bei einer WM – und der Kosovo darf weiter von der ersten Endrunde träumen.
Was für ein Nacht in Pristina. 24 Jahre hatte die Türkei auf diesen Moment gewartet, seit dem Sommermärchen von 2002, als ein halbes Land Hakan Şükrü & Co. bis ins Halbfinale trug. Nun also das Ticket für Amerika, Gruppe D, gegen USA, Paraguay, Australien. Die Spieler fielen sich nach dem Schlusspfiff in die Arme, weinten, lachten, schrien. Vincenzo Montella, der italienische Taktikfuchs, der den türkischen Fußball seit Monaten neu erfindet, stand am Spielfeldrand und lächelte nur. Er hatte es geahnt.
Asllani trifft die latte, aktürkoglu trifft die seele
Der Hoffenheimer Fisnik Asllani hatte es anders gewollt. Er hatte seine Mannschaft in der ersten Halbzeit angeführt, mit Tempo, mit Druck, mit dem Schuss an die Querlatte in der 29. Minute. Der Kosovo, das Team ohne große Geschichte, aber mit unbändigem Hunger, war nah dran am großen Wurf. Doch der Fußball ist kein Gerechtigkeitsdrama. Er ist ein Ergebnissport.
Aktürkoglu, der Flügelflitzer von Fenerbahçe, war es, der die Entscheidung brachte. Ein Abpraller, ein Nachsetzen, ein Tor. Einfach, effektiv, emotional. Die türkischen Fans, Zehntausende in Rot-Weiß, explodierten buchstäblich. Die kosovarischen Anhänger verstummten. Der Traum war aus, zumindest für diesmal.
Die Türkei hatte sich in der Qualifikation lange schwergetan, aber Montella fand ein System, das funktioniert. Arda Güler, das 19-jährige Wunderkind von Real Madrid, lieferte im Halbfinale gegen Rumänien den Traumpass. Im Finale war es Aktürkoglu, der die Erlösung brachte. Ein Team, das endlich wieder an die großen Tage anknüpfen will.

Die nächste generation kennt nur die zuschauerrolle
Für viele junge Türken war dieses WM-Ticket der erste echte Grund zur Ekstase. Sie hatten die Triumphe von 2002 nur aus Erzählungen gekannt. Jetzt sind sie selbst Teil der Geschichte. In Amerika wird es kein leichtes Los geben, aber das ist egal. Erst einmal ist die Qualifikation alles.
Der Kosovo wird weitermachen. Diese Mannschaft hat gezeigt, dass sie mithalten kann. Das 4:3 in der Slowakei war ein Statement, das 0:1 gegen die Türkei eine bittere Lektion. Aber der Weg ist aufgemacht. Die EM 2028 rückt näher. Und vielleicht ist dann Asllani derjenige, der den Ball über die Linie schiebt.
Die Türkei aber feiert. 24 Jahre sind ein Vierteljahrhundert. Genug Zeit, um zu vergessen, wie schön es ist, dabei zu sein. Jetzt sind sie wieder dabei. Und Aktürkoglu? Der ist für immer ein Held. Einfach so.
