Aicher stolpert über hundertstel – pirovano erobert die speed-krone

Einmal kurz die Kante zu hoch genommen, schon war Emma Aicher in Val di Fassas zweiter Abfahrt nur Zwölfte. 0,03 Sekunden fehlten auf Platz neun – und damit sieben Punkte, die jetzt zwischen ihr und der kleinen Kristallkugel liegen. Die 22-Jährige muss die Jägerrolle übernehmen, Laura Pirovano darf als Gejagte in den norwegischen Schlussspurt starten.

Pirovano lässt die dolomiten beben

Die 28-jährige Italienerin feiert ihr persönliches Märchen: zwei Tage, zwei Siege, beide Mal 0,01 Sekunden Vorsprung. Am Samstag vor Cornelia Hütter, am Freitag vor Aicher. Die große Gewinnerin heißt aber nicht nur Pirovano, sondern auch das Risiko: Wer hier nicht bis an die Grenze fährt, landet außerhalb der Top Ten. Corinne Sutter (+0,05) komplettiert das Podest, Kira Weidle-Winkelmann wird Fünfte und schrumpft ihre Kugel-Chancen auf ein Statistik-Minimum: 85 Punkte Rückstand.

Wolfgang Maier, DSV-Vorstand Sport, spricht von einer „Saison, die schon jetzt historisch ist“. Tatsache: Vor zwölf Monaten stand Aicher in der Abfahrtswertung bei null Zählern, heute ist sie die Nummer zwei der Welt. „Druck aufbauen würde dieser Leistung nicht gerecht werden“, so Maier. Er weiß: Pirovano war zwar zweimalellenbogen-schnell, aber keine Seriensiegerin. Das Finale in Kvitfjell am 21. März bleibt offen wie ein FIS-Gate im Nebel.

Die zukunft beginnt in 14 tagen

Die zukunft beginnt in 14 tagen

Aicher selbst redet sich nicht klein: „Es ist nicht vorbei, bis alle Tore gefallen sind.“ Die Form stimmt, die Psyche auch. Nur die Linie muss in Norwegen sitzen. 28 Punkte Vorsprung für Pirovano – das klingt nach Polster, ist aber nur ein halber gutes Rennen. Die deutsche Speed-Hoffnung hat noch einen Trumpf: Sie fährt als Verfolgerin, ohne Nummernlos-Druck. Das kann der Unterschied sein zwischen Kugel-Glanz und Silber-Drama.