Adam vaclavik knallt die tür zu – ohne abschiedsglückwunsch

Kein Kitsch, keine Träne, kein Kranz: Adam Vaclavik verlässt die Biathlon-Bühne mit einem Schulterzucken und einem abschätzigen Kommentar über lange Abschiedsbriefe. „Es interessiert eh niemanden“, schreibt der 32-Jährige auf Instagram und verpascht damit die gepflegte Rücktrittslyrik, die man von anderen Sportlern gewöhnt ist.

Vaclavik zieht bilanz: 115 weltcup-starts, eine em-silber

Vaclavik zieht bilanz: 115 weltcup-starts, eine em-silber

Seine Zahlen sind nüchtern: seit 2016 115 Mal in der Weltcup-Startliste, keine Podestplätze, dafür Silber im Supersprint der Europameisterschaft 2020. Für Tschechiens Skibund bedeutet der Abgang den zweiten prominenten Verlust innerhalb einer Woche – Tereza Vinklarkova hatte bereits angekündigt, in die Loipe zu wechseln. Der Kader schrumpft, die Nachwuchsfrage wird drängender.

Hinter dem ironischen Ton verbirgt sich aber ein durchtrainierter Realist. Vaclavik dankt „für die wilde Reise mit Höhen und Tiefen“, zählt Freundschaften und Lehren auf, nicht Medaillen. Damit tritt er aus der Selbstinszenierung aus, die sozialen Netzwerke sonst fördern. Seine Botschaft: Ich war da, habe gekämpft, jetzt ist Schluss – Punkt.

Für die Fans ist der Rücktritt ein Weckruf. Die Ära der tschechischen Biathlon-Mittelgruppe neigt sich dem Ende zu, neue Gesichter müssen her. Doch Vaclavik selbst will keine Tränen, sondern Applaus, „weiter anfeuern“ lautet seine letzte Anweisung. Die Party ist vorbei, der Beat läuft noch – nur eben ohne ihn.