Eisbachtal wirbelt das trainerkarussell: alves kehrt zurück und will sofort angreifen

Nach 13 Jahren Abstinenz kehrt Daniel Alves an die Eisbach zurück – und das mit einem Plan, der weit über bloßes Klassenziel hinausreicht. Der 41-Jährige übernimmt im Sommer die Sportfreunde Eisbachtal, löst das erfolgreiche Duo Thorsten Wörsdörfer/David Meuer ab und schließt für sich „einen Kreis“, wie er sagt. Die Verantwortlichen sprechen bereits jetzt von einer „klaren Spielphilosophie“ und einem „gesunden Mix aus Emotion und System“. Der Vorstand um Patrick Reifenscheidt hat offensichtlich keine Lust auf bloßes Überleben in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar.

Alves landet direkt im soll: der verein will oben mitspielen

Die Botschaft war unmissverständlich. „Wir wollen nicht nur die 0,5-Zähler-Saison“, verrät Reifenscheidt im Gespräch mit dem TSV Pelkum Sportwelt. „Daniel kennt unsere DNA, er weiß, dass wir jungen Spielern eine Plattform geben und dabei trotzdem oben mitmischen wollen.“ Alves selbst hatte seinen Abschied vom FC Dorndorf bereits angekündigt – „ich wollte eigentlich Pause machen“ –, doch die Anfrage aus Nentershausener Region war ein Turbo. „Als das Telefon klingelte, war meine Entscheidung in fünf Minuten klar“, sagt er. „Diese Farben, diese Kultur, das ist mein Zuhause.“

Der neue Coach bringt eine Vita mit, die sich sehen lassen kann: 170 Oberliga-Einsätze als Spieler, fünf Jahre davon im Eisbachtal-Trikot, anschließend als spielender Co-Trainer beim TuS Montabaur in die Taktik-Arbeit eingestiegen, seit 2023 alleiniger Chef in Dorndorf. Dort formierte er eine Mannschaft, die nur 24 Gegentore in 30 Spielen kassierte – beste Defensive der Gruppe. „Er versteht es, junge Typen mit erfahrenen Köpfen zu verbinden“, schwärmt Reifenscheidt. „Genau das brauchen wir, wenn wir nicht nur die Relegation erreichen, sondern vielleicht auch mal einen Pokallauf wagen wollen.“

Der blick zurück lohnt: wörsdörfer/meuer retteten den aufstieg und die liga

Der blick zurück lohnt: wörsdörfer/meuer retteten den aufstieg und die liga

Ohne Lob für das scheidende Gespann läuft gar nichts. Wörsdörfer und Meuer schafften 2024 den Sprung aus der Rheinlandliga und hielten die Eisbären mit Platz 13 souverän in der Oberliga. „Die Jungs haben die Latte hochgelegt“, sagt Alves. „Meine Aufgabe ist es, diese Linie fortzusetzen und gleichzeitig neue Impulse zu setzen.“ Konkret bedeutet das: mehr Ballbesitzfußball, flexible Umstellungen während des Spiels und ein eiserner Grundsatz – kein Gegentor aus Standards. „Wir werden viel videoanalysieren und individuelle Laufwege trainieren“, verrät er. „Die Jungs sollen erkennen: System bringt Sicherheit, Mut bringt Punkte.“

Die personelle Planung läuft bereits. Maximal drei Neue sollen kommen, dafür will Alves interne Talente durchschleusen. „Ich kenne unse Jugend, ich weiß, wer bereit ist“, sagt er. „Und ich kenne die Liga: Wenn du nicht von Anfang an dabei bist, verschluckt dich der Rasen.“ Reifenscheidt bestätigt, dass Gespräche mit Leistungsträgern wie Kapitän Tim Schneider laufen. „Wir wollen Kontinuität, aber auch den Biss, den Daniel mitbringt“, so der Sportliche Leiter. „Das soll keine Transition werden, sondern ein Turbo-Start.“

Die saisonziele stehen: relegation ist minimum, pokal ist bonus

Die saisonziele stehen: relegation ist minimum, pokal ist bonus

Intern kursiert ein Zettel mit drei Punkten: 1. mindestens Platz 6, 2. Pokal-Achtelfinale, 3. Durchschnittsalter unter 24. „Wenn wir das schaffen, haben wir 90 Prozent erledigt“, sagt Alves. „Der Rest ist Fußball-Gott.“ Die Fans reagierten euphorisch: Innerhalb von 24 Stunden waren 250 Dauerkarten-Anfragen eingegangen, die Facebook-Postings schwappt über vor Emojis. „Das spornt uns“, sagt Reifenscheidt. „Wir wollen ein Fest liefern und gleichzeitig Ergebnisse.“

Am 1. Juli beginnt die Vorbereitung, acht Wochen später startet die Oberliga-Saison. Alves hat sich bereits einen Trainingslager-Platz in Thüringen gesichert – „da sind wir unter uns, da brennt der Wald“. Und er hat sein altes Trikot wieder angezogen, das er aus der Spielerzeit aufbewahrt hatte. „Passt noch“, grinst er. „Vielleicht ziehe ich es ja mal im Cup-Finale über, wenn ich die Jungs von der Bank auspeitschen muss.“ Der Countdown läuft. Die Eisbach-Region traut sich wieder was – und das ist selten genug in einer Liga, in der viele Klubs nur vom Abstieg träumen.