Acht männer, die meister werden – oder scheitern
- Genoni muss zur olympia-wand werden
- Moy ist der zündfunke der lakers-revolution
- Brännström fährt lausanne mit der scheibe aus dem dunkel
- Thürkauf will den meister zerfleischen
- Andrighetto muss den zürcher tornado entfesseln
- Charlin ist genfs letzte festung
- Bertschy trägt fribourgs gebrochenes herz
- Stransky jagt den abschied mit krone
Die Play-offs beginnen, und mit ihnen die Zeit der Halbgötter. In jedem Viertelfinale steht ein Spieler, der den Traum seiner Stadt tragen oder zerreißen kann. Christian Schneider nennt die acht Namen, die zwischen Triumph und Tränen entscheiden.
Genoni muss zur olympia-wand werden
EV Zug hat alles – außer dem Titel. Die Theorie ist glänzend, doch Theorie kostet keinen Champion. Leonardo Genoni muss in den nächsten zwei Wochen die Version von Peking 2022 abrufen: unbeirrbar, lautlos, ein Betonklotz zwischen den Pfosten. Gegen Davos reicht kein 91-Prozent-Genoni; es muss der 96-Prozent-Mann her, der in fremde Köpfe kriecht und Schüsse schon im Strafraum erstickt. Verliert er die Serie, verliert Zug die Saison.

Moy ist der zündfunke der lakers-revolution
Rapperswil spielt Verteidigung wie eine Schweizer Uhr, aber Uhren gewinnen keine Play-offs. Tyler Moy muss jetzt vom Schmied zum Scharfschützen mutieren. Zwölf Treffer in 52 Spielen? Nett. Gegen Fribourg braucht es zwölf in weniger als sieben. Seine Handschläge sind filigran, seine Schnelligkeit ein Seitenarm-Schuss. Wenn Moy trifft, glauben die Lakers plötzlich, dass auch der Meister blutet.

Brännström fährt lausanne mit der scheibe aus dem dunkel
Erik Brännström trägt den Puck nicht einfach heraus – er entführt ihn. 43 Punkte aus der blauen Linie sind eine Drohung, die Genf im Nacken spürt. Gegen die Servettiens-Monster-Checks bleibt nur eins übrig: kalte Kontrolle. Brännströms erste Pass steckt schon im Genick des Gegners, bevor der das Dritselbst betreten hat. Ohne ihn steht der LHC schnell mit dem Rücken zum See.

Thürkauf will den meister zerfleischen
Calvin Thürkauf ist kein Engel – und genau das braucht Lugano. Er blockt mit dem Gesicht, spuckt Blut, wirft sich in Schlittschuhe. Gegen die Lions muss er zum Schlitzer werden: die Top-Line aufreiben, vor dem Tor wühlen, das 3-2 aus dem Chaos klauben. Die Bianconeri haben keine andere Wahl, als ihren Captain zum Gladiator zu erklären.

Andrighetto muss den zürcher tornado entfesseln
Sven Andrighetto kennt das Gefühl, wenn das Play-off-Eis knistert. Letztes Jahr trug er den ZSC auf den Schild. Diesmal droht der Erfolgs-Blues. Gelingt ihm kein Start nach Maß, verfangen sich die Lions im eigenen Angriffsgewirr. Mit Denis Malgin an seiner Seite besitzt er die Codes zum Turbo – aber nur, wenn er selbst den Knopf drückt.

Charlin ist genfs letzte festung
Die Genfer Offensive ist ein Kanonenboot, doch hinten steht ein Mann mit Handschuhen voller Narben. Stéphane Charlin hat sich nach holprigem Beginn in Form gebrüllt. Nun muss er Best-of-seven-Konstanz zeigen, sonst versenkt ihn entweder Lausannes Powerplay oder Rapperswils Counter. Ein Heiligtümer-Job, der zwischen Halbfinale und Ferien unterscheidet.
Bertschy trägt fribourgs gebrochenes herz
Sandro Schmids Kreuzband ist gerissen – und mit ihm 66 Punkte. Christoph Bertschy muss nicht nur Tore machen, er muss die Kabine tragen, die Drachen brüllen lassen, den Kader zusammenklopfen. Der schnellste Schweizer des HCFG wird zur Ersatz-Identität. Ohne ihn verpufft der Traum vom ersten Titel in der Westschweiz schon im Viertelfinale.
Stransky jagt den abschied mit krone
Matej Stransky hat 53 Punkte gesammelt und seine Koffer bereits gepackt. Der Tscheche will Davos mit dem Titel verlassen – nicht mit einem Schulterzucken. Jeder Schuss ist ein Lebenszeichen, jeder Check ein Abschiedsbrief. Gelingt ihm die Krönung, wird seine Legende im Bündnerland unsterblich. Scheitert er, bleibt nur die Erinnerung an eine starke Regular Season.
Acht Serien, acht Schicksale, acht Männer. In zwei Wochen wissen wir, wer Held wird – und wer nur noch Sommerferien hat.
