Ac40 in cagliari: nur das können zählt!
Die Sonne Sardiniens brannte heiß, doch noch heißer war der Kampf auf dem Wasser: Die AC40 Klassenrennen in Cagliari boten ein Spektakel, bei dem die Ingenieurskunst in den Hintergrund trat. Hier zählte schlichtweg das Können der Segler – und die perfekte Ausrichtung des Bootes.

Einzigartige klasse: monotyp für pure spannung
Die Welt des Segelsports ist vielfältig, doch die AC40 reiht sich in eine besondere Kategorie ein: den Monotyp. Das bedeutet: alle Boote sind identisch. Keine Design-Spielchen, keine versteckten Trümpfe. Nur die Fähigkeiten der Crews und die Feinabstimmung des Segelkleides entscheiden über Sieg und Niederlage. Ein Prinzip, das an die glorreiche Zeit der 12-Meter-Klasse erinnert, bei der die Regeln ebenso präzise waren.
Im Gegensatz dazu stehen beispielsweise die AC75, die in der America's Cup eingesetzt werden. Hier ist zwar die Geschwindigkeit beeindruckend, doch die Konstruktion spielt eine entscheidende Rolle. Die Regeln, die im September 2025 aktualisiert werden, legen dabei genaue Parameter fest: Länge (20,7 Meter Rumpf, 22,86 mit dem Vorsteckbaum), Breite (5 Meter), Gewicht (zwischen 6.876 und 6.944 kg), Höhe des Mastes (maximal 26,5 Meter) und Segelfläche (380 Quadratmeter zwischen Großsegel und Vorsegel).
Die AC40 hingegen, konzipiert 2023 als One-Design-Version des größeren Bruders, wird von nur einem Werftbau in China (McConaghy) gefertigt. Das garantiert absolute Gleichheit. Trotzdem sind diese Boote alles andere als langsam: Luna Rossa erreichte in Barcelona unglaubliche 55,2 Knoten (102,23 km/h), in Cagliari waren es zwar „nur“ 50 Knoten unter idealen Bedingungen, aber das ist immer noch atemberaubend für ein 11,8 Meter langes Boot mit nur zwei Tonnen Gewicht und einem 18 Meter langen Mast.
Besonders hervorzuheben ist die Leistung der italienischen Crews. In Barcelona sicherten sie sich sowohl den Unicredit Youth America's Cup als auch den Puig Women's America's Cup. Marco Gradoni und Margherita Porro, zwei Schlüsselfiguren dieser Erfolge, zeigen derzeit in Cagliari, dass sie das Potenzial haben, auch in der America's Cup selbst zu überzeugen. Ihre Erfahrung mit dem AC40 ist derzeit größer als die vieler etablierter Segler, die noch „in das Boot finden“ müssen.
Es ist wichtig, die Rennen in Cagliari und die America's Cup nicht zu verwechseln. Während die Kompaktheit des Teams und die Fähigkeiten der Segler in Cagliari entscheidend sind, wird die America's Cup durch das Match-Race-Format und die technischen Aspekte der AC75 dominiert. Die Neuseeländer haben hier einen klaren Vorteil, nicht nur aufgrund ihrer leistungsstarken Boote, sondern auch dank ihrer historischen Fähigkeit, technische Verbesserungen umzusetzen. Für Luna Rossa und GB1 wird es eine Herkulesaufgabe, das Niveau der Taihoro von vor drei Jahren zu erreichen. Die neuen Regeln, die von Dan Bernasconi und Nick Holroyd entworfen wurden – beides Schlüsselfiguren der neuseeländischen Teams – scheinen die Dominanz Neuseelands sogar weiter zu festigen.
Die kommenden Rennen in Neapel werden zeigen, ob die Konkurrenz aufholen kann. Doch eines ist klar: Die AC40 hat bewiesen, dass purer Segelkönnen auch im modernen Segelsport noch eine entscheidende Rolle spielen kann.
