Abschied vom pool: dotto beendet karriere mit wehmut und stolz

Jesolo – Ein Ära geht zu Ende. Luca Dotto, einer der prägendsten Namen des italienischen Schwimmsports, steht vor seinem letzten Wettkampf im Rahmen des Settecolli-Meetings. Der Abschied ist bittersüß, geprägt von Erinnerungen an unzählige Erfolge und dem unstillbaren Durst nach Geschwindigkeit, der ihn über Jahrzehnte antrieb. Doch bevor die letzte Bahn geschwommen ist, blickt er zurück auf eine Karriere, die ihn in die Weltelite katapultierte.

Die 47,96 sekunden, die eine identität schufen

Die 47,96 sekunden, die eine identität schufen

Es ist mehr als nur eine Zeit. Es ist ein Symbol. Die 47,96 Sekunden, die Dotto bei den Weltcup-Wettkämpfen in Riccione im April 2016 über 100 Meter Freistil auf der Uhr hatten, markierten einen Wendepunkt. Nicht nur, weil sie den italienischen Rekord brachen – eine Schallmauer, die jahrelang unüberwindbar schien – sondern auch, weil sie Dottos Identität als Sportler festigten. "Es ist etwas, das in die Geschichte eingeht. Eine Barriere, die man durchbricht, definiert einen", so Dotto.

Die Karriere des Sprinters erstreckte sich über eine beeindruckende Zeitspanne, vom ersten internationalen Erfolg bei den Weltmeisterschaften in Shanghai 2011, wo er die Silbermedaille über 50 Meter Freistil gewann und damit den ersten italienischen Podestplatz in dieser Disziplin sicherstellte, bis hin zu den Olympischen Spielen in London und Rio. Der Höhepunkt kam 2016 bei den Europameisterschaften in London, als er Gold über 100 Meter Freistil gewann – ein Moment, der durch die Anwesenheit seiner Eltern zu einem unvergesslichen Erlebnis wurde. "Das war etwas ganz Besonderes. Die Möglichkeit, die Hymne mit ihnen zu hören, machte alles noch wertvoller", erinnert sich Dotto.

Doch der Weg zum Erfolg war nicht immer einfach. Die mentale Belastung, der Druck, der mit dem Erreichen höchster Ziele einhergeht, forderten ihren Tribut. "Als junger Sportler spürte ich die Anspannung nicht. Im Gegenteil, sie trieb mich an. Mit zunehmendem Alter begann ich jedoch, das Gewicht zu spüren. Ich habe viel mit Sportpsychologen gearbeitet, um meine Ängste zu bewältigen."

Auch die Perspektive auf das Training hat sich verändert. "Davor wird sich die Perspektive ändern. Ich bin, so sagen wir, vom Sport abhängig – sowohl in Bezug auf meine Stimmung als auch auf meine geistige Klarheit merke ich sofort den Unterschied, wenn ich zu lange inaktiv bin", erklärt Dotto. Und er fügt hinzu: "Ich werde weiterhin im Wasser trainieren, vor allem, um meine Muskeln zu dehnen. Aber es wird mehr zum Genuss als zur Pflicht werden."

Dottos Pläne für die Zukunft scheinen ebenso vielfältig wie sein sportlicher Werdegang. Neben einer möglichen Karriere als Kommentator und Organisator von Sportveranstaltungen plant er, sich weiterhin in seiner eigenen Schwimmschule zu engagieren und einen Beitrag zur Förderung des Schwimmsports zu leisten – auch im Hinblick auf die wirtschaftlichen Aspekte.

Die Entscheidung, seine Karriere zu beenden, fiel ihm nicht leicht. "Man muss den Mut haben, über den Tellerrand zu schauen. Ich verliere einen wichtigen Teil meiner Identität, aber ich beginne, einen anderen Luca zu imaginieren. Ich bin neugierig auf das, was kommt."

Luca Dotto verlässt die Schwimmbühne mit dem Wissen um seine außergewöhnlichen Leistungen und dem unvergesslichen Echo der 47,96 Sekunden – einem Vermächtnis, das weit über die reine Sportwelt hinausgeht. Ein Vermächtnis, das ihn für immer als einen der größten italienischen Schwimmer in die Geschichte eingehen lässt.