78 Gegentore nach 28 spielen: winterthur stellt die torflutrekorde der super league reihenweise ein
Der FC Winterthur schreibt sich in die falsche Geschichtsbücher ein. Nach 28 Runden kassierte die Mannschaft von Trainer Patrick Rahmen 78 Gegentore – noch nie zuvor war ein Schweizer Erstligist zu diesem Zeitpunkt so durchlässig. Die Eulachstädter rutschen mit neun Punkten Rückstand auf den Barrage-Platz Richtung Challenge League, während Torhüter Stefanos Kapino zwischen den Pfosten verzweifelt pariert.
Kapino hält, aber hinten offen wie ein scheunentor
Der Grieche wehrte beim 1:1 gegen Servette eine Monster-Parade ab, verhinderte aber nicht das 24. Gegentor in den letzten sieben Partien. Die Statistik ist gnadenlos: Kein Super-League-Team kam je nach 28 Spieltagen ohne ein einziges Clean Sheet davon. Hinten wird jede Lücke bestraft, weil das Mittelfeld zu langsam umschaltet und die Viererkette ohne Pressing isoliert steht.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Winterthur kassierte im Schnitt 2,8 Treffer pro Spiel, zweimal mehr als Meister Servette (1,4). Die Expected-Goals-Against-Quote (xGA) liegt bei 52,3 – auch das ein Negativrekord. Trotzdem retten sich die Schlussmänner vor dem eigenen Publikum, denn Kapino verhinderte laut Opta bereits 9,2 Post-Treffer, mehr als jeder andere Keeper der Liga.

Rahmen verspricht umstellung, aber die uhr tickt
Patrick Rahmen experimentierte mit Fünferkette, Doppelsechs und Manndeckung – nichts fruchtete. Die Problemzone heißt Ballgewinn: Winterthur erobern im gegnerischen Drittel nur 4,1 Bälle pro Spiel (Ligendurchschnitt: 6,7). Ohne erste Pressinglinie rollen Gegenstöße ungebremst auf die letzte Reihe. Die Folge: 23 Kontertore, mehr als jede andere Mannschaft.
Der Trainer kündigte an, die Trainingsintensität in den Defensivabständen zu erhöhen und die Angriffsreihe tiefer zu stellen. Punktgewinne sind Pflicht: In den verbleibenden sechs Runden wartet mit dem FC St. Gallen (Auswärts) sowie Heimspielen gegen YB und Basel ein Programm, das keine Gnade kennt.
Sollte Winterthur den Anschluss verpassen, wäre es das erste Mal seit der Saison 1999/2000, dass ein Aufsteiger direkt wieder absteigt. Die Alpenstadt Thun bereitet sich indes schon auf die Relegation vor – und wartet nur darauf, dass der Meisterexpress vorbeirauscht.
